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1863

Idilia Dubb > Quellen + Editionen


Bericht im
Adenauer Kreis- und Wochenblatt

Nr. 43 vom 26. Oktober und Nr. 44 vom 2. November 1863

Der Tod der Miss Idilia Dubb auf Burg Lahneck bei Coblenz im Jahre 1851

Manchen unserer Leser wird es vielleicht noch erinnerlich sein, dass vor elf Jahren in allen Blättern der Rheingegenden, später auch in den des übrigen Deutschlands, eifrig nach einer M. Idilia Dubb geforscht wurde, einer Dame, welche ihren Eltern in der Gegend von Coblenz auf eine unerklärliche Weise verloren gegangen war.

Die englische Familie hatte, um eine reizende Gegend mehr und besser genießen zu können, eine Fußwanderung zur Lahnmündung unternommen und die letzte Nacht vor dem Verschinden von Miss Idilia in einem Dorfwirtshause jener Landschaft übernachtet. Früh am Morgen war das junge, reizende Mädchen mit ihrer Skizzenmappe, wie das oft zu geschehen pflegte, allein in einen lachenden Sommertag hineingewandert und später dann nicht wiedergekommen.

Anfangs fiel das nicht weiter auf, denn da sie eine leidenschaftliche Zeichnerin war und wenn sie einen schönen Punkt in irgendeiner Landschaft gefunden, nicht eher ruhte, als bis er in ihrer Mappe eine Stelle erhalten, und wenn darüber auch ein halber Tag vergehen sollte, so war man nicht sehr befremdet, sie im Laufe des Vormittags nicht wieder kehren zu sehen. Erst als sie auch gegen Abend hin sich nicht eingestellt hatte, wurde man besorgt und fing an, Nachforschungen zu halten. Zuerst aber auch nur ziemlich lässig und nicht mit allzu großem Eifer, weil mam meinte, daß sie sich in der ihr unbekannten gegend verirrt.

Als indeß auch am andern Tage keinzeichen ihres Lebens zum Vorschein kam, begann man denn doch die Sache ernster zunehmen. Man durchsuchte Berg und Thal, Feld und Wald, Strom und Bach, ohne indeß irgendeine Spur von der Vermißten entdecken zu können.

Seltsam und eine von jenen furchtbaren Unerklärlichkeiten, wie sie im Leben so oft vorkommen, ist es, daß mann dabei an die Burg Lahneck wenig oder gar nicht dachte. Allein die Angehörigen der Vermißten waren fremd in der Gegend und die ausgesandten Boten die etwa ja dahin verwiesen wurde, oder bis zu dieser Ruine gelangten, sahen keine Möglichkeit, daß die Engländerin hätte hinaufgelangen können, da man das hölzerne Treppengerüst, das hinaufführte, in Trümmern fand und wie es hieß, seit längerer Zeit so gefundenhaben wollte.

So kam es, daß alles Kundschaften der Eltern, Landbewohner und Polizei, alle ausgesetzten belohnngen, alle Aufrufe in öffentlichen Blättern sich fruntlos erwiesen. Auch nicht einmal eine Vermuthung, was aus der Unglkücklichengweorden, ließ sich gewinnen. Es war, als wen die Erde sie verschlungen oder irgend ein fabelhaftes Märchenwesen sie durch die Lüfte entführt hätte, dennfür das dunkle Gerede des Volkes, das hier und da von einer Entführung oder Flucht munkelte oder sie irgend einem schauerlichenVerbrechen zum Opfer fallen ließ, wollte sich nirgends auch nur der unscheinbarste Anknüpfungspunkt ergeben.

Niemand hatte Idilia Dubb an jenem Morgen weiter gesehen; kein verdächtiger Mensch war bemerkt, kein bedenklicher Umstandwahrgenommen worden. Kein Schrei hatte sich vernehmen lassen, keine Blutstropfen, keine niedergetretene Grasstelle, kurz: nicht das mindeste Merkmal einer Gewalttat ließ sich erkennen. Zu all dem ängstlichen Suchen, dem Rufen, Forschen und Jammern der Familie schimmerten helle, heitere Sommertage, sangen die Vögel aus tausend schmetternden Kehlen, rauschten die Bäume und Wasserquellen, summten die Käfer, schwärmten die Schmetterlinge - nirgend ergab sich ein Zeichen, das sich hätte deuten lassen oder von dem man hätte stutzig werden können.
Nach vergeblichen Nachforschungen mussten die armen Eltern sich endlich in ihr Schicksal begeben und ohne die geliebte Tochter weiterziehen. Wochen und Monate lang wurde von dem sonderbaren Abhandenkommen derselben in der Lahngegend gesprochen, gefabelt und gemuthmaßt - zuletzt aber beruhigte man sich und der ganze Vorfall kam in Vergessenheit.

Kaum wohl wäre er aus dieser je wieder aufgetaucht, wenn man nicht vor einigen Jahren sich genötigt gesehen hätte, einen einzelnen noch stehenden Turm der Veste Lahneck wegen gänzlicher Baufälligkeit abtragen zu lassen. Auf dem Plateau dieses Turmes wurden zum großen Erstaunen der Abtragenden menschliche Gebeine entdeckt, von denen sich Niemand erklären konnte, wie sie dahingekommen, da schon seit Jahren, wie wir gesehen haben, die da heraufführende steinerne Treppe und später auch eine von Holz zusammengebrochen waren.

Da der Umstand sehr eigenthümlich und seltsam war, so wurde den Ortsbehörden Kenntniß davon gegeben, und diese schickten denn alsbald eine Kommission ab, welche denselben näher zu untersuchen beauftragt ward.

Was sich ergab, war das Folgende:

Die menschlichen Überreste, welche man auf Burg Lahneck fand, waren die eines weiblichen Gerippes, das augenscheinlich in liegender Stellung an der Hinterwand geruht und später durch Regen, Sturm und Wetter weiter fortgeschoben zum Teil zerstreut worden war. In der einen Ecke des Steingeländers entdeckte man außerdem Ueberbleibsel eines weißen Strohhutes, weiter davon Spuren von Schuhsohlen, eine kleine goldene Uhr mit Kette, beinahe ganz in Schutt und Müll vergraben, ein paar Ringe, eine Gürtelschnalle und andere kleinere, die anscheinend Strumpfbändern angehört haben mochten.

Die erste Frage, welche sich aufwarf, war natürlich die: Wessen Gebeine man da aufgefunden? Die zweite, wie sie dahingekommen?

Bei der Erörterung über die erste erinnerte man sich sogleich des geheimnisvollen Verschwindens von Miß Idilia Dubb und dies umso mehr, als die ärztliche Untersuchung ergab, daß das Skelett das eines etwa siebzehnjährigen Mädchens war. Soweit in der Untersuchung gediehen, mußte das Nächste sein, was man that, eine Erkundigung der preußischen Regierung in England nach Mister Dubb, der nach den Fremdenpolizeiregistern aus verschiedenen Städten der Rheinlande diese Gegend mit seiner Familie in den Jahren 1850 und 1851 mit einem englischen Passe aus Edinburgh, bereiste.

Es ergab sich sehr bald, daß in Edinburgh ein Mann dieses Namens gelebt, 1859 aber daselbst verstorben war.

Seine Witwe, Mistreß Dubb, bestätigte auf angestellte Erkundigungen aber sogleich, daß sie in den angegebenen Jahren mit ihrem Gatten und drei Kindern einen Theil von Deutschland bereist und in der Nähe der Lahnmündung in den Rhein ihre älteste Tochter auf bisher unerklärliche Weise verloren habe.

Dieser Dame ward nun sofort Nachricht von dem eigenthümlichen Funde gegeben, den man auf Burg Lahneck gemacht und der Beschreibung der Gegenstände nach erkannte sie solche als im Besitze der Verschollenen gewesen. Um sich des Näheren selbst zu überzeugen, kam die arme Mutter in Begleitung ihres ältesten Sohnes kurze Zeit darauf in eigener Person nach Koblenz, um sich Uhr, Kette, Ringe, Schnallen und alles Sonstige zeigen zu lassen. Unter heißen Thränen bestätigte sie, daß das Alles ihrem Kinde gehört hatte.

Wie war dieses nun aber auf den Thurm Lahneck gekommen? Das war jetzt die andere wichtige Frage.

[Fortsetzung in der nächsten Ausgabe:]

Das Publikum war natürlich mit allerhand Schauergeschichten zur Hand. Man wollte jetzt auf einmal entdeckt haben, daß seit einer Reihe von Jahren Fremde in dieser Gegend verschwunden und dieses Verschiwnden mit dem Thurm Lahneck in Zusammenhang stünde. Dort, erzählte man, habe eine ganze Bande von Missethätern ihr Wesen getrieben, welche die Opfer ihrer schueßlichen Verbrechen hier bald in der Erde verscharrt, bald an Seilen oben auf das Plateau des Thurmes gewunden und so den Blicken der strafenden Nachforschunge spurlos entzogen. Man solle nur sorgsam graben und wühlen, da werde man noch viele andere Gräuel an's tageslicht fördern.
Das gericht ließ sich durch solche Märchen nicht befangen machen. Seit Menschengedenken war nichts Befremdliches in dieser Gegend vorgekommen. Von einer Beraubung der Miß Idilia konnte überdies keine Rede sein.Geld hatte sie nicht bei sich geführt, nach der Aussage der Mutter, und von Kostbarkeiten auch Nichts weiter, als Uhr und Ringe, die man ja vorgefunden. Spuren einer Gewaltthat ließen sich außerdem an dem Gerippe nicht entdecken. Hirnschale wie Wirbelsäule waren in ganz normalem Zustande.

Siemußte also auf ganz andere, jedenfalls eine freiwillige Weise auf den Thurm gekommen sein. Aber Wie?

Hier knüpfte man an und kam da bald auf Punkte, die bis jetzt außer Acht gelassen, und welche doch höchst wichtig waren.

Zunächst erschien vor Allem wichtig zu erfahren, bis zu welchem Zeitpunkt jener Thurm ersteigbar gewesen. Sie steinerne Wendeltreppe, das ergab sich kla rund bald, war im Frühjahr 1846 während eines starken Unwetters krachend und weithin Staub aufwirbelnd zusammengebrochen. Da aber die Aussicht oben vom Thurme eine überaus schöne und reizende weit in das Rhein- und Lahnthal hineinwar, so hatte im folgenden Jahre einige naturfreunde an ihrer Stelle eine hölzerne erstellen lassen, die Jahre hindurch ihren Zweck erfüllt und manchen Ausschaulustigen zum Ziele seiner Wünsche getragen. Im Sommer 1850 war hier und da geäußert worden, daß sie mürbe und wackelig geworden, aber noch im Mai 1851 hatte sie gestanden, das ergab sich aus Zeugenverhören. Ende Juli dieses Jahres, das ließ sich mit Bestimmtheit nachweisen, war sie zusammengebrochen vorgefunden worden. Gegen die Mitte des Juni aber [war] Miß Idilia Dubb verschwunden.

Was lag nun näher, als die Vermuthung, daß das unglückliche Mädchen verführt von der Hoffnung, einen schönen Lug in's Land zu gewinnen, ungewarnt und leicht befußt wie siewar, sorglos die wackelige Treppe hinaufgekommen und oben angelangt, diese hinter sich in die Tiefe habe brechen sehen? Wir sagen, welche Vermuthung lag näher? Es sollte aber auch nicht bei derbleiben, sondern volle Gewißheit in diese Thatsache kommen.

Als man nämlich den hohen Einfaßrand (eine sogenannte Kranzballustrade) ablöste, fand man in einem Mauerscharte ein kleines Taschenbuch geklemmt, in dem auf vergilbten und halbvermoderten Blättern einige Bleistiftaufzeichnungen wahrnehmbar wurden, welche über das Schicksal des unglücklichen Mädchens die vollständigste Aufklärung brachten.
Wir wollen, statt alles Weiteren, hier aus dem englischen Urtext, wie ihn die Times und andere britischen Blätter ihrer Zeit mittheilten, die furchtbare Lage des armen Kindes am Ergreifendsten von der Seele bringen :
„Gott im Himmel, was ist geschehen! Träume ich oder ist es Wirklichkeit? Im Fluge bin ich die schwankende morsche Treppe einer alten Burgruine emporgestiegen und eben nur habe ich das Plateau derselben erreicht, so trifft ein fürchterliches Gekrach mein Ohr, das mich bis zu den Tiefen meiner Seele zusammenschauern macht. Mit angehaltenem Athem und zugedeckten Augen habeich einen augenblick gelauscht, dann mich wendend und hinunterblickend, - was mußte ich sehen! - die Treppe war hinter mir zusammengebrochen! Eine Zeit lang stand ich wie erstarrt, ohne Besinnung, ohne Gedanken - fast ohne Gefühl. Mir war, als lebte ich nicht mehr. Ach, wäre es doch so gewesen! - - - Nur zu bald kamich zu mir und in ein Dasein zurück, das ohne Zweifel ein grauenvoll verlorenes ist. Ich kann keine Möglichkeit hinab zu gelangen, entdecken. Die Mauern sind hoch und weisen nur einzelne, von einander sehr entfernte Vorsprünge auf. Keine Stange, kein Seil, keine Hülfe weit und breit.
- - -
"O Vater! O Mutter! O George und liebe Marie! Wie werdet ihr nach mir suchen, rufen und jammern! und ich befinde mich hier auf diesem einsamen, verlassenen, öden Thurme und habe keine Mittel, Euch ein Zeichen meines Lebens zu geben. - - -
"Den ganzen Tag habe ich gerufen und geschrieen, aber Niemand hat mich gehört. Meine Stimme, glaube ich, reicht nicht hinab. An den Rand der Oeffnung, in welche die Treppe eingestürzt ist, wage ich mich nicht, aus Furcht, daß ich hinabstürzen möchte. Im ersten Moment des Schreckens eilte ich bis zu ihm hin, aber die schwindelnde Tiefe und das schwarze Dunkel nahmen mir so sehr die Besinnung, daß ich halb ohnmächtig davon wieder zurücktaumelte. - - -
"Alle Blätter meiner Skizzenmappe habe ich vollgeschrieben und einzeln herabgeworfen. Einige sah ich über die Bäume fort, andere in's Wasser fliegen. Ach, hätte ich mitgekonnt! Aber mich schließt die hohe Mauer der Brüstung ein. Vergebens versuchte ich mich oben an den Rand zu schwingen; meine Kräfte reichen dazu nicht aus. Solange ich die Arme bewegen konnte, habe ich mit dem Taschentuch geweht. Nichts hat geholfen. Und doch weiß ich, Vater, Mutter, Georg, Marie, Ihr sucht mich mit Herzensangst und laßt mich suchen. Wird denn Niemand zu diesem Thurme kommen?
Oh mein Gott! Ich habe den ganzen Tag geweint. Jetzt kommt die Nacht. Es wird kalt und mich fröstelt. Die Bäume höre ich unter mir im Abendwinde rauschen. Über mich steigt mit schwersurrenden Flügelschlägen das Nachtgevögel.
„Gott im Himmel, erbarme Dich mein! - - -
"Zusammengekauert in einer Ecke, bitterlich weinend und schkuchzend, war ich endlich doch eingeschlafen. Mich friert, mich hungert, die Zunge klebt mir am Gaumen. Vater aller Kreaturen, willst Du mir keine Rettung senden? Soll ich denn wirklich verloren sein? Eltern, Geschwister, treibt Euch denn keine Ahnung? Wäre Einer von Euch hier, ich würde ihn finden! Mein Herz würde mich führen, mein armes Herz, das Angst, Schmerz, Hunger und Durst, und meine eigenen Thränen erstickt. - - -
"Wieder habe ich gerufen, geweht, alle möglichen Anstrengungen gemacht. Meine Hände, meine Kniee, mein ganzer Leib sind wund. Meine Augen, meine Lippen brennen. In den Ohren habe ich ein furchtbares Sausen. O, mein Gott, o mein Gott! soll mir denn keine Hilfe werden? Hundert Mal war es mir, als wenn ich Menschenstimmen hörte; ganz deutlich meinte ich die Mutter nach mir rufen zu hören. Ach Mutter, Dein armes Kind, Deine Idilia! Drängt Dich nicht ein dunkler Zug Deiner Seele hierher? Marie! George! Ihr müsst mich ja hören! Hört! Hört! Euere Schwester ruft, Euere arme verzweifelte Schwester! - - -
„Umsonst! Alles umsonst! In Todesangst habe ich angefangen lose Steine mit den Nägeln aus dem Mörtel zu lösen, um sie zu Stufen aufzuthürmen. Meine Finger bluteten furchtbar dabei und als ich einmal im Schmerz nach dem Munde fuhr und die warme Flüssigkeit spürte, hätte ich mich selbst in Stücke reißen können, um mein Blut zu trinken. Mein Blut that mir so wohl! Ach, Gott! Es war seit achtundvierzig Stunden meine einzige Nahrung. Schin habe ich am Stroh meines Hutes gekaut. Aber so furchtbar mich auch nach Speise verlangt, die Entsetzlichkeit meiner Lage läßt mich alle Bedürfnisse vergessen. Den langen Tag thürmte ich losgelöste Steine auf. Endlich gegen Sonnenuntergang schien ihre Höhe beträchtlich genug, um den Rand erreichen zu können, zu dem einige Bretterstufen geführt haben, die aber jetzt verfault und zertrümmert umherliegen. Ich erstieg sie. Weit lag das Land vor mir. Wie ruhig, wie glücklich Alles! Ich sah in den umliegenden Dörfern die Schornsteine rauchen und auf dem Rheine ein Dampfschiff fahren. Heftig wehte ich mit dem Tuche und glaubte zu bemerkten, daß man mir wieder winkte! Die Glücklichen da unten meinten es sei ein Gruß der Freude. Ach, sie ahnten nicht, wie sehr es das Zeichen der Noth und Verzweiflung war! Ihnen tönte die Musik der Bande auf dem Hinterdeck, ihnen winkte das Ufer, das Hotel, die Arme der Lieben! Was winkt mir? Der Tod aus allen Ecken der schauerlichen Ruine. Und was für ein Tod? - Vater, Mutter, George, Marie, wollt Ihr mich denn so entsetzlich sterben lassen, so entsetzlich?
„Lebe ich noch?“ - Mir scheint, daß ich schon eine Ewigkeit hier oben bin. Die Zunge klebt mir am Gaumen fest, ich kann nicht mehr rufen. Meine Kleider hängen in Fetzen herum; mein Haar ist zerzaust; mir dünkt, ich bin taub geworden; ich höre Nichts mehr, die Welt ist wie ausgestorben. Gestern kamen zwei Mauerschwalben heraufgeflogen und setzten sich, vom Fluge ermattet, auf den Rand. Es war das letzte Glück, das mir zu Theil ward, ein Gruß aus der Welt, aus dem Leben.-Als sie davon flogen, sah ich ihnen lange nach, ich meinte, sie müßten geradewegs zu den Meinigen fliegen und ihnen Nachricht von meinem Elende bringen.
Das ist,glaube ich, der vierte Tag! - Tag? Die vierte Höllenewigkeit! Gestern war mir wieder, als hörte ich.Furchtbar todt und still lag Alles, ich war wie im Grabe ohne Empfindung, ohne Gedanken und Sinn. Plötzlich vernahm ich meinen Namen wie aus weiter Ferne, wie von unserem Hause aus Edinburgh her rufen. Ich raffte mich auf und kletterte noch einmal auf die aufgeschichteten Steine empor; schon konnte ich nicht mehr sehen! Es lag wie ein Schleier vor meinen Augen. Im Schwanken löste sich die Unterlage und ich fiel mit den Steinen zur Erde.
„Wie lange ich, betäubt von dem Falle, gelegen, weiß ich nicht. Ich weiß nur: Alles ist aus, mein Tod ist gewiß. Noch einmal will ich beten für das Heil meiner Seele, für Euch, Vater, Mutter, George und Marie. Dann will ich sehen, ob ich noch Kraft habe, mich an die dunkle Oeffnung des Thurmes zu schleppen und hinabzustürzen. O, warum habe ich es nicht gleich gethan.
„Vater im Himmel, sei meiner Seele gnädig!“

Wir brauchen diesen Aufzeichnungen wohl nichts weiter hinzuzusetzen. Sie sagen Alles und zwar in einer Art, daß uns dünkt, kein Dichter hätte die Situation erschütternder malen können, als es der Stift der Unglücklichen selbst gethan


 
 
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