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Beitr. z. Rheinkunde

Idilia Dubb > Rezensionen


Neue Rhein-Literatur

Hill, G.: Das verschwundene Mädchen. Die Aufzeichnungen der Idilia Dubb
. C. Bertelsmann Jugendbuchverlag. 219 Seiten, 9 Bilder

von Ingrid Schmitz-von Szymonski


Das, wie mir scheint, durch Freundinnen und deren Verwandte reichlich überarbeitete und wohl auch ergänzte Tagebuch der Idilia Dubb schildert deren Reise im Juni 1851 den Rhein hinauf von Rotterdam bis Koblenz. Im Vorwort wird von der Vorliebe englischer Touristen und Maler im 19. Jh. für Rheinreisen und Rheinroberichtet. Es folgt der wahrheitsgemäße Originalbericht des Adenauer Kreis- und Wochenblattes von 1863 über das Verschwinden und die Auffindung der toten Idilia Dubb auf der Burg Lahneck. Danach beginnt das Tagebuch der 17-jährigen Engländerin ab dem 8. Juni 1851, endend am 18. Juni 1851, ihrem wahrscheinlichen Todestag. Dazwischen schildert sie täglich ihre Reiseerlebnisse. Sie ist mit ihren Eltern und zwei Geschwistern per Raddampfer, aber auch per Kutsche, Reitpferd und auch zu Fuß unterwegs. Die einzelnen Tageseinträge sind von sehr unterschiedlicher Länge: am 8. Juni zum Beispiel 65 (!) Druckseiten bei vollem Tagesprogramm und Nachtruhe. Da hat man den Eindruck starker Ergänzung und Ausschmückung des Originals. Die junge Frau erlebt in den zehn Tagen die unterschiedlichsten und aufregendsten Dinge. Unterwegs hat sie es mit zwei sehr eifersüchtigen Verehrern zu tun. Es kommt zu Duellen, Prügeleien, Pferdediebstahl, Handlesen, Gefängnisaufenthalt, vorgetäuschter Schwangerschaft etc. etc.

Immer tritt gerade im richtigen Moment eine neue aufregende Situation ein. Mir erscheint alles oft sehr passend gemacht und simpel, romanhaft. Die Realität war sicherlich viel nüchterner. Um das am Ende makabre und tragische Ereignis herum ist eine teilweise dramatische Liebesgeschichte gewoben, die zum Schluss auf dem Turm der Ruine Lahneck mit dem Tod der Protagonistin endet. Die Leiter zum Turm bricht zusammen, und sie ist auf dem Turm gefangen. Alle Versuche, sich bemerkbar zu machen, scheitern. Das Skelett wird nach Jahren gefunden und von der Familie identifiziert. Sehr unwahrscheinlich erscheint auch das Schweigen des Liebhabers, der das Unglück zwar entdeckt, aber über Jahre schweigt.

Das Buch ist als Jugendbuch einzuordnen, ohne wissenschaftlichen Anspruch. Es kommt nur ganz am Rande zu Kultur-, Natur- oder historischen Beschreibungen, die teilweise kurios erscheinen. So soll in Koblenz im Museum „das Gesamtwerk des berühmten Künstlers Albrecht Dürer“ zu sehen sein (S. 147) und auf S. 136 gibt es in Andernach eine mächtige ruinöse Festung.

 
 
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