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Idilia Dubb > Oper > Rezensionen


Idilia Dubb und ihr Tagebuch

Eine Reise ins Mittelrheintal endet für die 17-jährige Schottin Idilia Dubb im Jahr 1851 tödlich. Zwölf Jahre später finden Bauarbeiter auf dem baufälligen Turm der Ruine Lahneck bei Koblenz ihre Gebeine. Eingeklemmt in einen Mauerschacht wird ein Tagebuch der Idilia Dubb gefunden. Im Auftrag des Landes Rheinland-Pfalz hat der Berliner Komponist Mark Moebius nun daraus eine Kammeroper gemacht.

Die Geschichte der Idilia Dubb ist durch einen Bericht des Adenauer Kreis- und Wochenblattes von 1863 als wahr bestätigt: Idilia war mit ihren Eltern und zwei Geschwistern auf einer romantischen Reise durchs Mittelrheintal unterwegs. Am Morgen des 16. Juni 1851 verlässt sie mit ihrer Zeichenmappe unterm Arm ein Gasthaus in Niederlahnstein und kehrt nicht mehr zurück. Eine fieberhafte Suche beginnt, aber vergeblich: Idilia bleibt spurlos verschwunden. Erst als ihre Knochen gefunden werden, offenbart sich die tragische Geschichte: Begeistert war die junge Schottin auf den Turm der Ruine geklettert, als die morsche Holzleiter hinter ihr zusammenbrach. "Oh, mein Gott - soll mir denn keine Hilfe werden?", notierte das junge Mädchen verzweifelt.

Moebius´ Oper beginnt deshalb mit "einer Musik des Hilfeschreis" der auf dem Turm gefangenen Idilia. Den Text für die 45 Minuten lange Oper habe er zum Großteil aus den Originalpassagen des Tagebuchs genommen, berichtet der Komponist. Das Thema habe ihn fasziniert, weil er selbst aus der Gegend komme, sagt der gebürtige Niedernhausener. Der heute 31-Jährige studierte Komposition in Frankfurt und München, war 2003 Stipendiat der Künstlerstiftung Edenkoben und gewann die Ausschreibung "Neue Oper" der Kammeroper Schloss Rheinsberg.

Sein Ziel sei, eine einheitliche Sprache von Harmonik, Rhythmik und Melodik zu schaffen, sagt Moebius über seine eigene Musik. Die moderne Schule der Neuen Musik habe versucht, diese Einheit aufzubrechen und den Klang immer weiter auseinander zu nehmen. "Ich versuche, wieder mehr nach innen zu gehen und den Urgesetzen der Musik nachzuspüren", sagt Moebius. Das Ergebnis sei eine sehr hörbare Musik, die stellenweise richtig harmonisch klinge und an klassische Opern erinnere, versichert er. Inhaltlich beschreibt die Oper in drei Teilen die letzten Tage der Idilia Dubb. Wachszenen wechseln darin mit Traumsequenzen des allmählich immer weiter ermattenden Mädchens. In den Träumen vermischt sich Idilias Geschichte mit den Mythen des Tals, wird ihre eigene Verzweiflung zum Wehklagen der sagenumwobenen Loreley, die vom Dichter Heinrich Heine als Dichter des berühmten Liedes und vom mythischen Vater Rhein - Sinnbild des Todes - umworben wird. "Mein Wunsch war, die Loreley noch einmal singen zu lassen, nicht ironisch gebrochen, sondern so, als würde man sie heute kennen lernen", sagt Moebius. Solche alten Mythen wieder zu entdecken, die besonders zur Zeit der Idilia Dubb populär waren, fasziniert den 31-Jährigen. "Aber ohne die romantisierte, überkommene Form", betont er. So darf seine Loreley Frust schieben, den Gesang verweigern und über die Horden von Touristen klagen, die auf ihrem Felsen herumtrampeln. Am Ende verschlingt indes der Tod die junge Idilia und Vater Rhein die Loreley, die sich von dem Felsen herunterstürzt - doch das alte Lied "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten" überlebt und erstrahlt in neuem Glanz.

Quelle
: ddp

 
 
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