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Franz Molitor

Kunst

Franz Molitor
* 17. August 1857 in Kapellen-Stolzenfels
1898 - 1928 in Oberlahnstein
† 19. Juli 1928 in Ehrenbreitstein

Als Sohn des Historien- und Porträtmalers Peter Joseph Molitor (1) war Franz Molitor die künstlerische Begabung quasi schon in die Wiege gelegt.

Sein Vater war nach privaten Unterweisungen in Koblenz bereits 1837 (mit 16 !!! Jahren) zum Kunststudium nach Düsseldorf gegangen. (2) Nach ersten Studiensemestern, u.a. auch in München (1846) und Frankfurt, war er 1851 einem Ruf seines Düsseldorfer Lehrers Ernst Deger (3) nach Koblenz gefolgt, um dort an der Ausgestaltung des wiedererrichteten Schlosses Stolzenfels mitzuwirken. Hier in seiner Heimatstadt hatte er am 2. Mai 1854 Amalia Schneider geheiratet, mit der er 1857 nach Stolzenfels gezogen war. Hier wurde ihnen am 17. August 1857 Sohn Franz geboren. (4) 1859 waren die Molitors wieder nach Düsseldorf gezogen, wo Vater Peter und 1873-1880 auch Sohn Franz (auch schon mit 16 Jahren !!!) an der Kunstakademie studierte.

Am 17. August 1897 hatte die Familie Molitor in Oberlahnstein in der Wilhelmstraße, der damaligen Ostallee (5), ein neuerbautes Haus gekauft, in dem Peter Molitor bereits ein halbes Jahr später verstarb. Seine Witwe Amalia blieb bis zu ihrem Tod im Januar 1923 im Besitz des Hauses. Anschließend erbte es Sohn Franz (6).

Bekannt wurde der Vater vor allem durch seine Sakralkunst (7). Er schuf u. a. Wandbilder für die Maximilianskirche in Düsseldorf und die Jesuitenkirche in Koblenz, die inzwischen Restaurierungsarbeiten ‚zum Opfer' fielen. Sogar für die Jesuitenkirche in London schuf er den Entwurf für ein Altarbild. Sein ‚Meisterstück' aber sind die Wandfresken im Hauptschiff der Wallfahrtskirche St. Nikolaus in Koblenz-Arenberg (8). Fünf Vorzeichnungen hierfür und ein Selbstporträt des damals 56 Jahre alten Künstlers gelangten 1991 als Geschenk in das Mittelrhein-Museum in Koblenz. Sohn Franz hatte diese Arbeiten seinem Lahnsteiner Schüler Wilhelm Zilz (9) geschenkt. Dessen Enkelin schenkte sie dem Koblenzer Museum.


Franz Molitor blieb der Sakralkunst des Vaters verbunden. Neben Altarbildern und Vorlagen für Andachtsbilder (u. a. für Gebetbücher) schuf er aber auch Porträts, Stillleben, Genreszenen und Landschaftsbilder, für die er Motive aus der heimischen Landschaft wählte, wie z. B. die Wenzelskapelle oder den Spießborn.

Als treuer Helfer zeichnete er ehrenamtlich sowohl in natura als auch im Atelier die vor- und frühgeschichtlichen Funde von Professor Dr. Robert Bodewig für dessen wissenschaftliche Veröffentlichungen. Im Laufe der Zeit kamen sich beide auch näher - so bezeichnet ihn Bodewig als seinen Freund (10).


Franz Molitor hat in während der rund 30 Jahre, die er in Lahnstein lebte, von seiner Malerei gelebt. Er hat nicht nur gemalt, sondern auch unterrichtet. Neben dem erwähnten Lahnsteiner Wilhelm Zilz unterrichtete er auch den Lahnsteiner Fotografen und Hobbymaler Karl Pott (11) sowie die Koblenzer Geschwister Aenni (12) und Heinrich Hartung IV (13), Kinder des Malers Heinrich Hartung III (14).

Zwischendurch - im Jahr 1902, also drei Jahre nach dem Tod seines Vaters - weilte Franz Molitor einige Zeit in Düsseldorf (15). Kontakte zur dortigen Kunstszene können angenommen werden; möglich aber auch, dass dort seinen jüngerer Bruder Ferdinand Joseph besuchte.

Ganz selbstverständlich ging Franz Molitor gut 10 Jahre später ein zweites Projekt Robert Bodewigs an: Das unter dessen Regie 1912-14 erbaute und später nach ihm benannte Museum in Oberlahnstein verlangte nach künstlerischer Ausgestaltung. Molitor schuf im Treppenhaus Wandfresken älterer Darstellungen aus Lahnstein und Umgebung und stiftete Bilder des Oberlahnsteiner Malers und Fotografen Peter Adler (16) sowie einige seiner Ölgemälde und solche des Koblenzer Malers Kaspar Friedrich Heising (17). Einige Ölgemälde des Letzteren hängen heute im Ausstellungsraum im Alten Rathaus.

Wahrscheinlich waren die wirtschaftlichen Verhältnisse der 1920-er Jahre für Molitors Profession nicht gerade günstig (18). Nach dem Verkauf des Hauses um die Jahreswende 1927/28 weilte er in München, Berlin und Düsseldorf, um nach einem halben Jahr doch wieder in seine eigentliche Heimat zurückzukehren. Er starb am 19. Juli 1928 im Ehrenbreitsteiner Krankenhaus und wurde auf dem Alten Friedhof in Oberlahnstein beigesetzt (19).  

Franz Molitor muss - siehe Nachruf - fleißig gewesen sein. Daher stellt sich die Frage nach dem Verbleib seiner doch wohl zahlreichen Bilder. Es mag ihnen ähnlich denen von Nikolai von Astudin gegangen sein: Als ‚alte Schinken' sind wohl viele davon nach dem 2. Weltkrieg im Müll gelandet.

In Lahnstein sind bislang nur zwei Bilder von Franz Molitor bekannt: vom Spießborn und von der Wenzelskapelle. Im Internet finden sich noch drei weitere Bilder, eines davon undatiert.

       


Beim Spießborn handelt es sich um ein Brunnenhäuschen aus Bruchstein von 1738 mit Bildstocknische. Es liegt  an der Kreisstraße von Lahnstein Richtung Forsthaus gegenüber dem nach ihm benannten Wanderer-Parkplatz. Das Wasser kam einst von einer 1 km entfernten gefassten Quelle durch eine Leitung aus Tonrohren. Heute ist die Quelle versiegt.

Die Wenzelskapelle oder Liebfrauenkapelle (20) ist im Oberlahnsteiner Gerichtsbuch (21) erstmals 1467 erwähnt (22). Aus diesem Eintrag ist zu schließen, dass die Kapelle im Jahr 1467 zum althergebrachten Bestand gehörte und mit großer Wahrscheinlichkeit schon vor 1400 erbaut worden war. Dies würde sich mit den Nachrichten decken, dass am 20. August 1400 der deutsche König Wenzel an einer Stätte südlich der Stadt gegenüber dem Rhenser Königsstuhl von den Kurfürsten abgesetzt worden ist. Aus eben diesem Grunde wurde die Liebfrauenkapelle im Volksmund schon sehr früh zur ‚Wenzelskapelle'.

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Sie ist ein historisch sehr bedeutungsvoller Bau - ist es doch einmalig in der Verfassungsgeschichte Deutschlands bzw. der deutschen Lande, dass ein gekröntes Haupt durch Beschluss des Wahlgremiums (hier: die Kurfürsten) abgesetzt wurde.

Der Lahnsteiner Altertumsverein hatte dies erkannt. Im Zuge einer Exkursion wurde am 20. August 1882 auf Kosten des Vereins eine Gedenktafel angebracht, auf der an die Absetzung König Wenzels am 20. August 1400 an vermutlich eben dieser Stelle erinnert wird.

1903 musste die Kapelle im Zuge des Baues der Rheintal-Eisenbahn den Schienensträngen und der Anlage eines Rangier- und Güterbahnhofs weichen.

Auf Intervention Prof. Dr. Robert Bodewigs, dem Vorsitzenden des Lahnsteiner Altertumsvereins, wurde 1905 unter Verwendung des originalen Materials des ursprünglichen Chores dieser genau nach den Maßen des alten, in einiger Entfernung nordwestlich aufgestellt und mit einer kleinen Vorhalle versehen. Die Kosten hierfür und den Bauplatz stifteten die Inhaber des Viktoriabrunnens.

Wiederum auf Initiative des Lahnsteiner Altertumsvereins kehrte Molitors Bild „Wenzel-Kapelle bei Ober-Lahnstein“ im vorigen Herbst heim; ein Mitglied ersteigerte es im Internet.

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Die beiden Gemälde (Wenzelskapelle und Spießborn), die als Dauerleihgabe im Alten Rathaus hängen, gehören Frau Brunhilde Ladwig, mit deren Großmutter Molitor wohl guten Kontakt hatte. Er hat sie rückseitig mit einer Widmung versehen: „Frl. Kätchen Gerharz gewidmet zur frdl. [freundlichen] Erinnerung an Ihren erg. [ergebenen] alten Freund Frz. Molitor - O.Lahnstein 25.11.25“.Vergleicht man das Bild des Altertumsvereins mit dem der Frau Ladwig, zeigt Letzteres eine deutlich geringere Qualität. Man möchte fast meinen, dass Molitor das ‚schlechtere' nicht veräußern und daher leicht verschenken konnte.

Neben diesen beiden Bildern hängt - ebenfalls als Leihgabe - eine Kopie des Molitor-Bildes der Wenzelskapelle von Walter Meller (23) (s.o.) aus dem Besitz der Familie Dexelmann.

Fotos von der Wenzelskapelle:
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