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Idilia Dubb > Rezensionen


GENERAL-ANZEIGER BONN von Freitag, 2. August 2002, Seite 27 (Sparte: PANORAMA):

Das erschütternde Protokoll eines tragischen Todes


GESCHICHTE - Tagebuch der 1851 auf Burg Lahneck gestorbenen Schottin Idilia Dubb veröffentlicht


von unserem Korrespondenten Helmut Herles

LAHNSTEIN. Das anrührende und erschütternde Leben und Sterben der 17-jährigen Schottin Idilia Dubb, die 1851 während einer Reise am Rhein im Turm der Burg Lahneck ums Leben kam, ist nun am Ort des Geschehens in Erinnerung gerufen worden. Der Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Kultusministerium, Roland Härtel, stellte das soeben erschienene Tagebuch von Idilia Dubb vor.

Die tragische Geschichte: 1863 werden im Turm der Burg Lahneck menschliche Gebeine gefunden. Daneben Schmuck und das Tagebuch der 17-Jährigen, das Protokoll ihrer aufregenden Reise am Rhein erfüllt von Begeisterung, Liebeskummer und Liebesglück und einer kritischen Auseinandersetzung mit den Eltern. Elf Jahre zuvor war Idilia mit ihren Eltern von der Rhein-Mündung Richtung Koblenz auf dem Schiff unterwegs. Bald liegt sie abermals im Streit mit ihrer Familie und beschließt, sich einen Tag lang zu verbergen. Sie steigt auf den Turm der Burgruine Lahneck, um die schöne Landschaft von oben zu zeichnen. Kaum hat sie den Turm erklommen, zerbricht hinter ihr die morsche Leiter. Niemand hört sie, und der Bauer, der sie sieht, hält sie für das Burggespenst. Tag um Tag schreibt sie nun in ihrem Tagebuch ein Protokoll ihres Sterbens ein erschütterndes Dokument.

Schon in der Veröffentlichung des „Kreis- und Wochenblattes“ der Stadt Adenau, aber auch in britischen zeitgenössischen Veröffentlichungen wie der ‚Times’, war aus dem ergreifenden Text zitiert worden:

„Gott im Himmel, was ist geschehen! Träume ich, oder ist es Wirklichkeit? Im Fluge bin ich die schwankende morsche Treppe einer alten Burgruine emporgestiegen, und eben nur habe ich das Plateau derselben erreicht, so trifft ein fürchterliches Gekrach mein Ohr ... Was musste ich sehen - die Treppe war hinter mir zusammengebrochen ... Ich kann keine Möglichkeit, hinab zu gelangen, entdecken... Oh, Vater! Oh, Mutter! Oh, George und liebe Marie! Wie werdet ihr nach mir suchen, rufen und jammern!“


„Lebe ich noch? Mir scheint, dass ich schon eine Ewigkeit hier oben bin. Die Zunge klebt mir am Gaumen fest, meine Kleider hängen in Fetzen herum, mein Haar ist zerzaust, mir dünkt, ich bin taub geworden. Ich höre nichts mehr, die Welt ist wie ausgestorben.“


Am Ende fragt sie sich, ob sie noch die Kraft habe, sich vom Turm hinabzustürzen.

Leena Flegler, Lektorin des Bertelsmann-Jugendbuch-Verlages, in dem die Aufzeichnungen nun erschienen sind, bezeichnet es als das ‚wahrscheinlich authentischste Tagebuch’. Sein Inhalt ist bestätigt durch die erste Veröffentlichung vom 26. Oktober 1863 im „Kreis- und Wochenblatt“ der Stadt Adenau. Das Tagebuch wurde damals der Familie überreicht, die jahrelang verzweifelt nach der Tochter gesucht hatte. Idilias Freundin Genevieve Hill erhielt nach dem Tod von Idilias Eltern von den Geschwistern die Erlaubnis, das Tagebuch zu veröffentlichen. Sie fand allerdings damals keinen Verleger, so dass das Tagebuch in Vergessenheit geriet. Leena Flegler: „Auf nicht mehr nachvollziehbaren Wegen landete es bei einer schottischen Stiftung, bis ein schwedischer Journalist es 1995 bei einer Recherche zu einem ganz anderen Thema fand und abschrieb.“




 
 
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