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Jahresprogramm 2013

Vereinschronik > 2011- > 2013


In 2013 gedenken wir der Reichspogromnacht vor 75 Jahren.
Vor diesem Hintergrund haben wir unser Jahresthema gewählt.


„Rheinisches Judentum"

beste Quellenseite für Jüdische Gemeinden, Friedhöfe und Synagogen im Internet: Alemannia Judaica

Übersicht:

Die Juden sind „geldgierig, zersetzend, ungläubig, von Gott verworfen, zur Ruhelosigkeit verflucht, Gottesmörder, durch die Kirche als Gottes Volk ersetzt".

Auf dieses fast 2000 Jahre alte ‚christliche’ Urteil beriefen sich die Nationalsozialisten, als sie vor 75 Jahren mit der Reichspogromnacht den Holocaust als ‚Vollzug des göttlichen Willens’ einläuteten.

Wir Nachgeborene stehen in der ‚Gnade der späten Geburt’ und blicken fassungslos in die Baracken, Gaskammern und Brennöfen in Auschwitz, Kulmhof, Majdanek, Sobibor, Treblinka . . . Wie war so etwas möglich?

Eine Frage, die nach Antworten verlangt und aus ethisch-moralischer Sicht auch eindeutig zu beantworten ist: Teuflisch, da im höchsten Maße unmenschlich!


Eine historische Bewertung hingegen kann sicherlich nicht in einem Satz erfolgen - war doch Antijudaismus keine Erfindung der Nationalsozialisten, sondern fand durch diese ‚nur’ den unfassbaren Höhepunkt in Form einer regelrechten Vernichtungsindustrie. Man muss tief in die Geschichte eben jener fast 2000 Jahre eintauchen, um die Zusammenhänge, die dergleichen vorbereiten konnten,
erkennen zu können.

Mit Sorge muss man die auch heute noch unterschwellige Ablehnung der Juden beachten. Hierbei spielen Existenz und Politik des Staates Israel eine nicht unbedeutende Rolle. In jedem Fall, in dem Politik und Religion vermischt werden bzw. Religion politisch instrumentalisiert wird, kann kein Friede einkehren.

Aber allein die Religionsausübung der Juden ist fremd und wenig bekannt - und Unbekanntes kann leicht für niedrige Zwecke instrumentalisiert werden!

Für uns Rheinland-Pfälzer ist das Judentum von besonderem Interesse, waren doch die ‚SchUM-Städte’ (Speyer, Worms und Mainz) im Mittelalter die geistig-religiösen Zentren des europäischen Judentums - und sollen UNESCO-Weltkulturerbe werden!

Deshalb hat sich der Lahnsteiner Altertumsverein im Jahr des besonderen Gedenkens vorgenommen, sowohl die historischen Hintergründe zu erhellen als auch die Religion der Juden näher zu betrachten - getreu seinem Motto „Vergangenheit entdecken - Gegenwart verstehen - Zukunft gestalten". Hierzu laden wir ein (Details siehe Anlage) zu



  •  einer Aktion (Verlegung von Stolpersteinen)



  •  einem Gottesdienstbesuch in der Koblenzer Synagoge (bitte beim Vorsitzenden melden!)


Zitate

Eine Vielzahl von Negativ-Zitaten ist im Internet im Umlauf. Diese sind hier nicht berücksichtigt, da sie entweder leider hinlänglich bekannt, nicht nachprüfbar oder (vorsätzlich?) schlicht unsinnig sind.


Die Geschichte der Juden in Deutschland beginnt weit entfernt von Mitteleuropa und zu einer Zeit, als es Deutschland noch nicht gab. Die Ereignisse in Judäa um die Zeitwende sollten in vieler Hinsicht schwerwiegenden Einfluss auf die Geschichte der Juden in Deutschland bis in unser Jahrhundert haben.
Mit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem beginnt die fast 2000 Jahre währende Diaspora: Die überlebenden Juden werden vertrieben und zerstreuen sich über das gesamte römische Imperium, das damals einen großen Teil West- und Südeuropas, Nordafrika und den Mittleren Osten umfasst.
Während der verbleibenden Jahrhunderte des römischen Reiches dienen Juden den Herrschern als Kaufleute, Soldaten und Sklaven. Schließlich erlangen sie das römische Bürgerrecht. Trotzdem müssen sie weiterhin die von Kaiser Vespasian (70-79) eingeführte Judensteuer entrichten. Mit dieser Sondersteuer begründen die Herrscher des Heiligen Römischen Reiches mehr als tausend Jahre später ihren Anspruch auf das Eigentum an allen Juden und auf die den Juden auferlegten besonderen Steuern. (nach: www.hagalil.com/deutschland/history/…)


Brief des Apostels Paulus an die Römer, Kapitel 11, Verse 1a, 2a und 18b
So frage ich nun: Hat denn Gott sein Volk verstoßen? Keineswegs!
Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er einst erwählt hat.
So sollst du wissen, dass nicht du die Wurzel trägst, sondern die Wurzel trägt dich.

Nassauische Denkschrift von 1821 (Nassauisches Staatsministerium)
„Gewiss ist, dass ohne den Handel der Juden der Handel nicht das wäre, was er ist. Der Jude ist tätig, unermüdet, mäßig, genügsam und unverdrossen. Er spürt alle Absatz- und Einkaufkanäle auf. Ohne den Juden wäre die Agrikultur übel dran. Der Jude ist die Seele des Viehhandels. Ein Markt an einem Tag, wo die Juden Feiertag haben, ist nichts wert. Der Jude zahlt dem Bauern mehr für sein Vieh als der Metzger oder christliche Handelsmann. Er kauft alles und zu jeder Zeit, er borgt, wenn er gesichert ist, liefert dem Bauern ins Haus, worum dieser lange herumlaufen müsste."

Martin Buber, 1933
„Was ist uns Juden und Euch Christen gemeinsam? Wenn wir es völlig konkret fassen: Ein Buch und eine Erwartung. Eure Erwartung  geht auf eine Wiederkehr, unsere auf das unvorweggenommene Kommen. Wir können des einen Kommenden gemeinsam harren; und es gibt Augenblicke, da wir ihm gemeinsam die Straße bahnen dürfen. Vormessianisch sind wir schicksalsmäßig getrennt. Da ist der Jude für den Christen unverständlich als der Verstockte, der nicht sehen will, was sich begeben hat; unverständlich der Christ dem Juden als der Verwegene, der in der unerlösten Welt schon ihre vollzogene Erlösung behauptet. Das ist eine von keiner Menschenmacht überbrückbare Spaltung. Aber sie verwehrt nicht das gemeinsame Ausschauen in eine von Gott herkommende Einheit."

Gebet, zugeschrieben Papst Johannes XXIII. (1881-1963)
„Wir sind uns heute bewusst, dass viele Jahrhunderte der Blindheit uns die Augen verhüllt haben, so dass wir die Schönheit deines auserwählten Volkes nicht mehr zu sehen und in ihren Gesichtern die Züge unserer bevorzugten Brüder nicht mehr zu erkennen vermögen.
… Vergib uns den Fluch, den wir zu Unrecht an ihren Namen Jude hefteten. Vergib uns, dass wir dich in ihrem Fleisch zum zweiten Mal ans Kreuz schlugen. Denn wir wussten nicht, was wir taten."

 
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