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Krefeld-Gellep

Vereinschronik > 2000-2010 > 2001

11.05.2001

Exkursion

Museum Burg Linn in Krefeld-Gellep


Hier sind die Funde des größten römisch-fränkischen Gräberfelds nördlich der Alpen zu sehen.


Krefeld gab es damals natürlich noch nicht. Aber in seinem Buch "Die Erben Roms" überschrieb Rudolf Pörtner das erste Kapitel so: "Das 5. Jahrhundert fand in Krefeld statt". Diesen saloppen Spruch schreibt er Albert Steeger zu, dem Ausgräber des größten römisch-fränkischen Gräberfelds nördlich der Alpen.

Bereits August Oxé deckte 1896 römische Gräber aus dem ersten Jahrhundert nach Christi auf, nachdem Gelleper Bauern beim Anlegen von Spargelfeldern immer wieder Antiquitäten aus dem Boden geholt hatten. Albert Steeger begann 1934 mit planmäßigen Grabungen und stieß dabei auf einen ausgedehnten antiken Friedhof aus fränkischer Zeit. Als einer seiner wichtigsten Funde gilt der gläserne Rüsselbecher aus der Völkerwanderungszeit. Seine Nachfolgerin Renate Pirlings grub weiter, noch 1999 legte das Team um Grabungsleiter Uwe Girndt 120 Grabstellen frei. Damit hat sich die Gesamtzahl bis Ende des Vorjahres auf 6303 erhöht.

Die Funde in Gelleper Erde belegen eine Besiedlung schon zur Jüngeren Steinzeit. Stromnähe, fruchtbares Ackerland und hochwasserfreie Lage auf Dünenerhebung zehn Meter über Rheinniveau waren günstig für die Besiedlung über die Bronzezeit hinaus durch Ubier, Römer und Franken. Unter dem römischen Kaiser Vespasian errichtete man ein Kastell in "Gelduba", fast 400 Jahre hielten hier römische Legionäre die "Wacht am Rhein". Durch Tacitus ist der Aufstand der Bataver aktenkundig geworden, in Gelduba sollen sich damals 20 000 Kämpfer gegenübergestanden haben.

In den siebziger Jahren entdeckte man Pferde- und Menschengräber, die als Relikte dieser Schlacht gelten. Plinius hat berichtet, dass Kaiser Tiberius aus Gelduba die Pflanze "Siser" anforderte. Welche Gemüsepflanze – wohl Wurzeln oder Knollen - das war, wissen wir allerdings bis heute nicht. Auch aus späteren Jahrhunderten gibt es noch Gräberfunde, das Vordringen des Christentums ließ aber die Grabbeigaben weniger werden.

Der Rhein verlagerte sein Bett, Gellep-Stratum liegt längst nicht mehr am Fluss. An verschiedenen Stellen, nicht zuletzt beim Ausbaggern des Hafenbeckens, fand man hölzerne Schiffswracks aus dem 8., dem 13. oder 14. Jahrhundert. Gelduba-Gellep verlor mit der Zeit seine Bedeutung als Hafenort und Siedlungsplatz. Aber eben weil es, anders als Köln etwa, nicht über die Jahrhunderte überbaut wurde, blieb es uns als Quelle für das Leben unserer Vorfahren erhalten.


siehe auch: Archäologie in Krefeld


 
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