Nordpolen 2006 - Kuhn Seite

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Nordpolen 2006

Vereinschronik > Reiseberichte

Studienreise Masuren - Danzig
vom 22. Juni bis 1. Juli 2006

Posen
Thorn
Graudenz
Allenstein
Masuren
(Nikolaiken, Heiligelinde, Rastenburg, Oberlandkanal)
Marienburg
Danzig



Zu seiner ersten längeren Studienreise war der Lahnsteiner Altertumsverein 1880 e.V. mit 37 Teilnehmern nach Nordpolen, dem ehemaligen West- bzw. Ostpreußen, aufgebrochen. Optimales Wetter, eine gelungene Vorbereitung und hervorragendes Service-Personal ließen die Reise in jeder Hinsicht zu einem Genuss werden, der durch die auffallend gute Harmonie in der Reisegruppe gesichert wurde.
Nach der ersten Übernachtung in Poznan (Posen) ging es zu einer Stadtbesichtigung nach Torun (Thorn), in der Nikolaus Kopernikus geboren wurde. Das Stadtzentrum lässt noch viel von der Herrlichkeit der alten Ordensritter- und Hansestadt erahnen. Schon hier – wie auch an fast allen anderen Reisezielen – wurde der Ruf nach einem weiteren, intensiveren Besuch laut.
Nach der Übernachtung in Grudziadz (Graudenz) folgte noch eine Stadtführung in der Weichselstadt, wo vor allem die mittelalterlichen Speicher am Weichselufer und das Rathaus bewundert wurden. Vorsitzender Hans G. Kuhn erlebte bewegende Momente vor dem Haus, in dem er die ersten acht Monate seines Lebens gelebt hatte.

 
 

Nach einem kurzen Rundgang in Olsztyn (Allenstein) ging es weiter ins Masurische, wo Busfahrer Thomas Kimmel und seine Lebensgefährtin Jutta Ackermann nach masurischem Brauch ‚verheiratet’ wurden. Das anschließende Fest machte die Lahnsteiner Gruppe mit Musik und Tanz der Masuren bekannt.
In Mikolajki (Nikolaiken) wurde das Quartier für die nächsten drei Nächte aufgeschlagen. Am nächsten Morgen besuchte die Gruppe aus Lahnstein eine Kirche der Altgläubigen, einer – wohl  aussterbenden – Gemeinschaft orthodoxer Christen. Eine Angehörige der Gemeinde führte durch die Kirche und erläuterte in bestem Ostpreußisch die Entstehung der Gemeinschaft. Im gleichen Dorf führte anschließend eine junge Nonne durch eine orthodoxe Klosterkirche.
Ein Besuch der Ruinen der ‚Wolfsschanze’, dem Hauptquartier von Adolf Hitler während des Zweiten Weltkriegs, ist sozusagen ein ‚Muss’ für Ostpreußenreisende. Dort führte Jan Zduniak
aus Ketrzyn (Rastenburg) die Gruppe in äußerst kompetenter Manier durch das Gelände; sein Buch über die Wolfsschanze ist ein Standardwerk.
Bei herrlichem Sonnenschein stand eine Schifffahrt auf dem Talty-See mit Schleusung in den Nachbarsee auf dem Programm. Herrliche Eindrücke der Landschaft begeisterten die Lahnsteiner Gäste.


 
 

Impressionen ganz anderer Art bot der Besuch in der barocken Wallfahrtskirche SwietaLipka (Heiligelinde): Nach einer Begrüßung der Gäste auf polnisch und deutsch (!) demonstrierte der Organist u.a. mit einem Ave Maria und einer Polonaise das gesamte Register der barocken Orgel.
Den Zauber der Natur Masurens vermittelte – neben den allgegenwärtigen Störchen – eine Stakenfahrt auf der Krutynia: Glasklares Wasser, eine ungestörte Tier- und Pflanzenwelt und eine nahezu entrückende Ruhe verzauberten die Lahnsteiner Gäste.
Vor dem Abschied aus Nikolaiken kam es zu einer überraschenden Begegnung: ein junges Mädchen, deren deren Mutter ein Bernsteinschmuck-Geschäft in Nikolaiken führt, war als Schülerin des Mario
n-Dönhoff-Lyzeums Mikolajki im Austausch mit einer Schülerin des Marion-Dönhoff-Gymnasiums in Lahnstein gewesen.

 
 

Der Weg nach Gdansk (Danzig) führte über den Kanal Elblanski (Oberländischer Kanal), der – in Europa einmalig – Mitte des 19. Jh. nach einem amerikanischen Vorbild gebaut wurde. Diente er seinerzeit dem Transport von Getreide aus Masuren zur Ostsee, ist er heute eine Touristenattraktion. Über mehrere schiefe Ebenen werden die Schiffe in einem dockähnlichen Wagen auf Schienen hinuntergelassen bzw. hinausgezogen. Die Lahnsteiner Gruppe erlebte fünf dieser Rollberge und konnte zwischendurch auch den Antriebstechnik der Anlage per Wasserkraft bestaunen.
Auf dem Weg von der Marienburg nach Danzig machten die Lahnsteiner Geschichtsfreunde Station am UNESCO-Weltkulturerbe Marienburg, der Burg des Deutschen Ritterordens aus dem 13./14. Jh., die nicht nur die größte Backsteinburg Europas, sondern flächenmäßig eine der größten Burgen überhaupt ist. Nach der zweistündigen Führung waren alle zutiefst beeindruckt. Ebenso tief beeindruckt war das polnische Wachpersonal, als die Gäste aus Lahnstein im Saal des Hochmeisters einen geistlichen Kanon vortrugen, was auch ein Zeichen für die Harmonie in der Gruppe war.
In der Dreistadt Gdansk-Sopot-Gdynia (Danzig-Zoppot-Gdingen) wurden in einer Stadtführung die Sehenswürdigkeiten Danzigs besichtigt: das Krantor von 1444, das Wahrzeichen und meistfotografiertes Motiv der Stadt; die Marienkirche, die größte Backsteinkirche und – bis 1945 – das größte protestantische Gotteshaus der Welt mit Platz für 25.000 Personen, erbaut 1343-1502; das Goldene Tor (1642-44), Eingang zur Langgasse, der älteste Durchgangsstraße der Stadt, mit ihren prachtvollen Patrizierhäusern, die auf den Langen Markt führt, an dem neben dem Rechtstädtischen Rathaus von 1327 stattliche Patrizierhäuser, des Goldene Haus und der Artushof (1478) mit dem Neptunbrunnen (1549) davor; die Frauengasse, mit ihren Bernsteinläden und Restaurants eine der schönsten Straßen Danzigs, vor allem wegen der reich verzierten Bürgerhäuser mit Wasserspeier an den Treppengiebeln und Beischlägen (Terrassen mit Treppen und Geländern vor den Häusern); die barocke Königliche Kapelle (1681); das Große Zeughaus (1600–1609); die Katharinenkirche, die älteste Kirche Danzigs und die Brigittenkirche (1394-1420), während der Jahre des Wider
stands gegen das kommunistische Regime Treffpunkt der Anhänger der Gewerkschaft Solidarność.
Im Stadtteil Oliwa wurde Katherale besichtigt. Das Orgelkonzert auf der Renaissance-Orgel war ein ganz anderes als das in Heiligelinde, aber nicht minder bezaubernd.
Einen Höhepunkt erlebten die Lahnsteiner bei einem Mittagessen in der historischen Gaststätte „Der Lachs“, dessen erster Wirt Ambrosius Vermöllen hier 1598 das berühmte „Danziger Goldwasser kreierte.

Zum Abschluss machten die Lahnsteiner Altertumsfreunde eine Schifffahrt über das Haff zur Halbinsel Hela, um bei schönstem Sonnenschein den herrlichen Ostseestrand zu besuchen, ehe es am neunten Tag über Stolp nach Stettin ging, wo ein Stadtrundgang zugunsten des Fußballweltmeisterschaftsspiels gegen Argentinien gekürzt werden musste. Nachdem die Gruppe bei einem festlichen Abendessen die polnische Reiseleiterin verabschiedet hatte, ging es am nächsten Morgen Richtung Heimat.

In seinen Abschiedsworten bedankte sich Vorsitzender Hans G. Kuhn bei dem souveränen Busfahrer Thomas Kimmel und Jutta Ackermann, der guten Fee im Bus, für ihren erstklassigen Service und bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihr gutes menschliches Miteinander, die die Fahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben. Im Oktober werden bei einem ‚Nachleseabend’ in der Hospitalkapelle die schönsten Fotos vorgeführt und zur Erinnerung ein Gläschen der ostpreußischen Spezialitäten Machandel, Bärenfang und Danziger Goldwasser verkostet.


 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü