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Idilia Dubb > Film


Auf Anschreiben antwortete Jan Heilig. Zu der letztlich ins Auge gefassten Begegnung kam es schließlich doch nicht, da allem Anschein nach die gegebenen Informationen ausreichten.

Von: Jan Heilig [Filmbit@web.de]
Gesendet: Mittwoch, 5. April 2006 19:08
An: info@lahnsteiner-altertumsverein.de
Betreff: Fragen zu Idilia Dubb

Sehr geehrter Herr Kuhn,
danke für das Angebot Ihrer Mithilfe bei meinen Recherchen zu dem Filmprojekt "Das Fräulein vom Turm", der 2007 gedreht werden soll.
Kurze Infos:
Es geht um einen 90minütigen Kinofilm inkl. anschließender TV-Auswertung und DVD-Produktion, für den auch Fördergelder der hessischen Filmförderstelle in Frankfurt beim HR mit eingesetzt werden sollen. Daher verlangt der hohe qualitative Anspruch eine genaue Recherche. Die Handlung des Films wird zwar fiktiv sein - daher ist letztlich nicht entscheidend, ob Idilia Dubb wirklich existiert hat, doch die historischen Gegebenheiten im Umfeld sollen so genau wie möglich und so historisch wie nur irgend denkbar (und finanzierbar) dargestellt werden.

Hier einmal eine Liste meiner Fragen:

ZU IDILIA DUBB

1.
gibt es ein Faksimile des Berichtes über den Fund von Idilia Dubbs Gebeinen im Adenauer Kreis- und Wochenblatt 1963? Bzw. existiert das Original noch - z.B. bei Ihnen in der Landesbibliothek?

2.
Wie historisch ist Idilia Dubb wirklich? De facto geht aus Ihren Recherchen hervor, dass außer dem Zeitungsbericht von 1863 kein Nachweis über die Existenz von Idilia oder der Familie Dubb existiert. Ist dem so? Die Zeitungen berichteten zu der Zeit recht willkürlich, blumig und ohne großen Anspruch auf historische Wahrhaftigkeit. Der eigene Artikel, auf den sich das Blatt bezieht, existiert z.B. nicht. Ich habe noch andere Beispiele gefunden, wo Dinge aus der nahen Vergangenheit berichtet, die so nicht historisch sind (etwa heißt es 25 Jahre nach der Revolution, die Rüdesheimer wären im revolutionären Eifer 1848 in überfüllten Zügen und auf Trittbrettern von Rüdesheim nach Frankfurt gefahren - dabei war die Strecke erst 1856 überhaupt fertiggestellt - und so geht es durch fast alle Berichte dieser Zeit).

3.
Das Tagebuch scheint dem Zeitungsartikel kurz nach dessen Auffinden vorgelegen zu haben. Nach historisch-kritischen Kritierien ist der Bericht damit am nächsten am Originaltext dran, wenn auch leider in einer Übersetzung. Doch möglicherweise noch vor der offensichtlichen Bearbeitung des Textes durch die englische "Genevieve Hill". Ein Fund solcher Bedeutung müsste aber doch irgendwo in den Polizeiakten dieser Zeit festgehalten worden sein?

4.
Woher stammen Ihre Angaben auf der Homepage unter "Fakten (?)" - ich vermute aus dem erschienen Buch mit dem veröffentlichten Tagebuch? Es ist ja schon ein sehr fragwürdiges Faktum, dass ein Krug mit Bad Emser Wasser in Edinburgh inkl. Rose darin auf dem Grab entdeckt wird - das erinnert mich doch zu sehr an Romantik, wie man sie im "Phantom der Oper" geboten bekommt.

KONTAKTE FACHLEUTE

5.
Ich benötige Kontakt zu einem Fachmann für den Bau der Taunus-Bahn / Wiesbadener Eisenbahngesellschaft / Nassau railway company, die die rechtsrheinische Strecke ab 1853 (Konzessionserteilung Dezember 1852) von Wiesbaden über Rüdesheim bis Lahnstein zumindest zum Teil gebaut hat. Hier geht es auch um die internationalen Gelder, speziell Londoner Gesellschafter, die dafür eingesetzt wurden.

6.
Ebenfalls benötige ich einen Fachmann, der mir über die Umtriebe marxistischer / kommunistischer Gruppen der Region oder über Arbeiter-Vereinigungen und politisch-tendenzielle Vereine wie die Turnvereine sowie über Verfolgung und Ausweisungen, die es ja gab, kurz nach der gescheiterten Revolution 1848/49 genauer Auskunft geben kann. Auch interessiert mich die Situation der einfachen Bevölkerung in Rheintal, speziell in Rüdesheim und Lahnstein in der Zeit der Teuerungen um 1951-55 ganz allgemein.

7.
Sollte es evtl. irgendeine Quelle für bekannte Kriminalfälle dieser Zeit geben, könnte ich das evtl. mit in den fiktiven Teil der Handlung aufnehmen. Auch hier bin ich auf Fachleute (historische Kriminalistik) angewiesen.

KONTAKTE an INTERESSIERTE

8.
Könnten Sie mir einen Kontakt zu Ihrem Vereinsmitglied Madeleine Schröder herstellen. Da wir mit vielen Komparsen drehen, sind wir immer für Kontakte vor Ort dankbar. (Madeleine Schröder hat bei der Buchpräsentation Passagen aus dem Buch gelesen). Ebenso interessieren mich Kontakte zu Traditionsvereinen (Biedermeiergruppen etc), die Interesse an einer Mitarbeit bei dem Projekt haben könnten - es gibt natürlich viele Szenen mit Komparsen, bei denen sich die Einbindung solcher Gruppen und Verein immer wieder bewährt, die schon einen Bezug zu der historischen Epoche haben.

Uff, das ist eine lange Liste, ich hoffe, ich strapaziere Ihre Gutmütigkeit nicht zu sehr. Ich bin schon jetzt gespannt auf Ihre Rückmeldung. Im Laufe der Recherchen komme ich natürlich auch nach Lahnstein, vielleicht könnten wir uns dann einmal treffen.
es grüßt Sie freundlich
Jan Heilig

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Filmbit.de
Postfach 1124
76583 Gernsbach
Tel 0177-8031253
info@filmbit.de
http://www.filmbit.de
*****************

PS.: Sobald das Treatment zu der Story des Films fertig ist, werde ich Ihnen ein Exemplar zukommen lassen. So sehen Sie auch genauer, auf welchen Punkten die Handlung beruht.



Von: Lahnsteiner Altertumsverein [info@lahnsteiner-altertumsverein.de]
Gesendet: Sonntag, 9. April 2006 22:23
An: 'Jan Heilig'
Betreff: AW: Fragen zu Idilia Dubb

Sehr geehrter Herr Heilig,
nicht, dass ich Sie vergessen hätte oder Ihnen meine Kooperation verweigern würde, aber ich bin momentan derart in wichtigere Dinge eingespannt, dass ich Sie noch etwas warten lassen muss.
Ich rechne mit Ihrem Unwillen und hoffe auf Ihr Verständnis.
Mit freundlichem Gruß!
Ihr
Hans G. Kuhn


Von: Jan Heilig [Filmbit@web.de]
Gesendet: Montag, 10. April 2006 08:53
An: Lahnsteiner Altertumsverein
Betreff: Re: Fragen zu Idilia Dubb

Sehr geehrter Herr Kuhn,
nein nein, nehmen Sie sich die Zeit, die Sie benötigen - wir sind ja nicht auf der Flucht, und vor 2007 wollen wir das Rheingold sowieso nicht heben. Ihr Sohn hat schon Kontakt mit mir aufgenommen wegen der Koblenzer Schauspielschule - auch für diesen Kontakt schon einmal herzlichen Dank.
mit freundlichen Grüßen,
Jan Heilig


Von: "Lahnsteiner Altertumsverein"
Gesendet: 06. Mai 2006 ; 21:33:29
An: <info@filmbit.de>
Betreff: Idilia Dubb

Sehr geehrter Herr Heilig,
mein Sohn leitete Ihre mail an mich weiter.
Zu Ihren Fragen:


Einen entsprechend kostümierten Verein gibt es in unserer Gegend nicht.
Für ein Interview stehe ich Ihnen prinzipiell gern zur Verfügung, müsste aber vorher wissen, was Sie fragen wollen. Meine Schwiegertochter und ich sind kompetent in Sachen Idilia lt. Tagebuch; Sie haben Idilia doch ziemlich „vergewaltigt“. (siehe u.a. unten).
Einen Fachmann für die Rheintal-Eisenbahn habe ich noch nicht gefunden; da ich einige Zeit krank war, konnte ich mich darum nicht so recht kümmern.

Gestatten Sie mir vier Hinweise zu Ihrem „Treatment“, das Sie so vertrauensselig preisgeben:


Lahnstein gab es damals noch nicht; setze: Oberlahnstein
Burg Lahnstein heißt „Burg Lahneck“ (Lahneck Castle) und wurde 1861 an einen Herrn Moriarty (von der englischen Eisenbahnbau-Gesellschaft (!) gekauft und im Stil der englischen Neo-Gotik restauriert; bei diesen Arbeiten fand man auf dem Bergfried Idilias Skelett
Idilia kann man nicht vom Rheindampfer aus haben winken sehen; richtig: von der Lahn aus, die in jenen Zeiten nicht von Ausflugsdampfern befahren wurde; wer da „lt. Tagebuch“ winkte, waren Lahnschiffer, die vor allem Erze und Marmor transportierten.
In „Historische Daten im Umkreis der Geschichte“ ist ein Fehler: der Rheingau und Mittelrhein bis Lahnstein wird (1849) nassauisches Staatsgebiet; richtig: beides ist altes nassauisches Staatsgebiet, allerdings nur rechtsrheinisch; das Untere Mittelrheintal (ab Koblenz rheinabwärts) ist rechtsrheinisch bis Neuwied nassauisch von 1806 (gem. Reichsdeputationshauptschluss) bis 1815 (gem. Wiener Kongress).
Idilia war nicht adelig; ihr Vater war kein Lord. Aber nur als junge Lady wird sie wohl in Ihre „Story“ passen.

Mit freundlichem Gruß
Hans G. Kuhn

Lahnsteiner Altertumsverein 1880 e.V.
Verein für Geschichte des heimatlichen Raumes
Lahneckstraße 12
56112 Lahnstein
T. p.: 02621 - 3624
@ p.: info@lahnsteiner-altertumsverein.de


Von: Jan Heilig [Filmbit@web.de]
Gesendet: Sonntag, 7. Mai 2006 09:59
An: Lahnsteiner Altertumsverein
Betreff: Re: Idilia Dubb

Sehr geehrter Herr Kuhn,

vielen Dank für Ihre Bereitschaft zu einem Interview und die Korrekturen und Anmerkungen.

Zunächst zu unserem Interview: Das Gespräch soll vor allem Ihren persönlichen Bezug zu der "Geschichte Idilia" zum Inhalt haben, also, wie Sie selber dazu gekommen sind, was Sie daran fasziniert hat usw. Daneben wird es um die historischen Quellen gehen, also das Adenauer Kreis-und Wochenblatt und das Tagebuch, und schließlich - aber nur am Rande - um die Wirkungsgeschichte, die Sie ja sehr ausführlich im Internet zusammengestellt haben. Genaue Fragen werde ich noch ausformulieren und Ihnen rechtzeitig zukommen lassen.

Ist die Zeit um Christi Himmelfahrt für Sie ein geeigneter Termin - vielleicht am Samstag 27.Mai?

zu Ihren Anmerkungen: Zunächst muss ich mich sehr bedanken für den Hinweis, dass der Käufer der Burg nachfolgend ein Mitglied der englischen Eisenbahnbaugesellschaft war. Und auch noch mit dem Namen "Moriarty" - für einen Drehbuchautor sind das natürlich absolute Glücksfälle.

Wie sie ja feststellen konnten, ist der Film in keiner Weise historisch, was die Geschichte Idilias selber angeht - das ist auch nicht die Zielrichtung. Hier soll ein abenfüllender spannender Abenteuerfilm entstehen - und dazu eignet sich die Nacherzählung realer historischer Schicksale nicht.

Historisch soll dagegen das Umfeld und die Darstellung der Zeit sein, so genau wie nur irgend möglich. Gemeint sind die politischen Verhältnisse, die Kostümierung, die Denkweise der Menschen damals etc. Ich habe nicht vor, etwas darzustellen, was historisch unmöglich gewesen wäre, sondern eine Geschischte, die so hätte passieren könenn - auch wenn es nicht so war.

Ich habe Verständnis dafür, das Sie sicher enttäuscht sind, in der Geschichte nicht "ihre" Idilia, soweit Sie sie historisch-kritisch erarbeitet haben, wiederzufinden, aber es handelt sich hier eben um ein fiktionales Projekt. Ich habe die Geschichte nicht vergewaltigt, ich habe eine eigene Geschichte erzählt, und an historische Begebenheiten angeknüpft, eine der historischen Begebenheiten ist dabei auch der Tod des jungen Mädchens Idilia Dubb.
Ich persönlich bin der Ansicht, dass auch das vor kurzem veröffentlichte Tagebuch zu größten Teilen in den Bereich Fiktion gehört, zu deutlich sind da mehrere Hände zu erkennen und eine Menge Ungereimtheiten. Als historische Quelle jedenfalls fällt es in meinen Augen aus, zumal zu damaliger Zeit - auch in Autobiografien oder Tagebüchern - so gut wie keinerlei historisches Interesse (im heutigen wissenschaftlichen Sinne) geherrscht hat, das gilt sogar für die Zeitungen damals (naja, und für manche auch heute noch), wenn etwa der Rheingauer Beobachter am 2. März 1898 berichtete, wie die aufgebrachten Rheingauer mit der Eisenbahn nach Wiesbaden zur Revolution 1848 gefahren seien.
Aber 1848 gab es diese Eisenbahnlinie natürlich noch nicht! Also selbst wenn einige Passagen des Tagebuches - und das halte ich für wahrscheinlich - tatsächlich von Idilia stammen, sind selbst diese nach meiner Anscicht nur mit Vorsicht als historisch authentische Quelle zu nutzen. Ich habe sechs Jahre lang Theologie studiert und dabei vor allem gelernt, Texte dahingehend zu beurteilen, was sie erzählen "wollen", und daraus abzuleiten, wieweit sie historisch verwertbar sind. Und Tagebücher aus der Romantik - zumal überarbeitete - sind leider kein sehr verlässliches historisches Quellmaterial - sie beweisen vor allem mal die Existenz ihres Schreibers und dessen Weltsicht, denn eindeutig ist für mich natürlich, dass Idilia Dubb tatsächlich diese Reise angetreten hat und das Skelett auch ihres ist.

Daher ist es mit der Historizität der Geschichte durchaus schwierig, und ich habe mein Hauptaugenmerk darauf gelegt, vielmehr die Zeitgeschichte darum herum historisch zu erarbeiten, was inzwischen in einem 50-seitigen "Biedermeier-Almanachen" gemündet hat (auch wenn Biedermeier eigentlich schon vorbei war, seine Nachwirkungen sind 1854 noch sehr stark), der als Basis für den Filmdreh dienen wird.

Jedenfalls bin ich mir bewusst, dass die Quellen die Dubbs nicht als adelig bezeichnen - da habe ich mich im historischen Anhang im Eifer des Gefechts vertippt. Adelig ist Idilia nur in meiner Geschichte - aus verständlichen Gründen.

Dass nur der rechtsrheinische Rheingau herzoglich-nassauisch wurde - und nur bis Oberlahnstein, war mir bekannt, ich hatte mich da ungenau ausgedrückt, danke für die Anmerkung. Und das dies erst 1849 passiert sein soll, ist natürlich Unsinn, diese Region ist selbstverständlich schon vorher nassauisch gewesen. Asche auf mein Haupt, das ist einfach in der falschen Zeile stehen geblieben (Sie sehen, das alles ist ja gerade erst im Entstehen, das Treatment ist noch in keiner Weise offiziell oder öffentlich).

Ihr Hinweis, von wo aus Idilias Winken zu sehen gewesen sein kann, ist sehr wertvoll, das konnte ich nicht wissen, da ich die Burg erst bei meinem Interview-Besuch besichtigen werde - das korrigiere ich nach, vielen Dank.

Zusammenfassend noch einmal vielen Dank für Ihre Hinweise.

Ich hätte noch eine Frage, die mich sehr interessiert:

Haben Sie irgendwo - außerhalb des vorliegenden Tagebuches - irgendeinen Hinweiß auf Christian Bach gefunden?

Ich freue mich darauf, wenn wir uns dann beim Interview - vielleicht zusammen mit Ihrer Schwiegertochter - treffen werden und bedanke mich schon einmal herzlich für Ihre Mühe.

mit freundlichen Grüßen,


Ihr
Jan Heilig
Filmbit.de


 
 
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