Rezension I-2 - Kuhn Seite

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Rezension I-2

Bodewig-Edition > Band I


Rezension von Oberbibliotheksrat Gottfried Pahl M.A., Dausenau

in: "Nassauische Annalen" 110.1999
und
in: "Heimatjahrbuch des Rhein-Lahn-Kreises 2000"

Mit der Herausgabe der vollständigen Werke von Robert Bodewig (geb. 1857, gest. 1923) will der Altertumsverein die Leistungen des bedeutenden, aber weitgehend vergessenen Lahnsteiner Heimatforschers würdigen und ihn wieder ins öffentliche Bewusstsein rücken. Bodewig war Gymnasiallehrer in Oberlahnstein und erreichte vor allem aufgrund seiner archäologischen Forschungen über die Römerzeit überregionale Bekanntheit. Der Nachdruck seiner Schriften bietet die Chance, die seit langem vergriffenen und z. T. sehr peripher publizierten Artikel Bodewigs auch inhaltlich einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

In dem vorliegenden ersten Band sind nach Vorworten von Hans-Helmut Wegner, dem Leiter der Archäologischen Denkmalpflege, Amt Koblenz, und Hans G. Kuhn, dem Bearbeiter des Bandes, die 14 umfangreichsten Artikel Bodewigs in chronologischer Reihenfolge abgedruckt. Durch einen Druckfehler im Inhaltsverzeichnis (Das Kastell Hunzel erschien 1897 und nicht 1887) wird die Chronologie nur scheinbar unterbrochen. Im Buch selbst ist die Reihenfolge korrekt und das Erscheinungsjahr richtig angegeben.

Thematischer Schwerpunkt der Forschungen Bodewigs waren die römerzeitlichen Siedlungen im Raum Koblenz-Lahnstein sowie das römische Straßennetz und die Limes-Kastelle im unteren Lahngebiet, letzteres als Ertrag seiner Funktion als Straßen- und Streckenkommissar der Reichslimeskommission. Die Bearbeitung der Kastelle Ems, Heddesdorf, Hunzel, Marienfels und der rechtsrheinischen Römerstraßen bis zur Aar gilt wegen der exakten Dokumentation mit Recht als seine bedeutendste Leistung. Die Grabungsbefunde haben bis heute weitgehend Bestand und konnten nur punktuell ergänzt werden. Die publizierten Ergebnisse in der Reihe ‚Der Obergermanisch-rätische Limes des Römerreiches’ sind indes auch antiquarisch seit langem vergriffen und selbst in einschlägigen Bibliotheken selten vollständig vorhanden. Der Wert und der Nutzen des Nachdruckes der Bodewig-Schriften wird deshalb gerade bei den archäologischen Beiträgen deutlich.

Der zweite thematische Block besteht aus drei Einzelschriften zur Geschichte von Lahnstein im 17. und 18. Jh. und einem Artikel über das Amt Münstermaifeld während des Dreißigjährigen Krieges. Man mag einwenden, dass die Beiträge über Lahnstein durch die beiden Stadtgeschichten von Fritz Michel im Wesentlichen überholt sind. Wer sich aber über die komprimierten Darstellungen Michels hinaus detailliert mit der Lahnsteiner Historie des 17./18. Jhs. beschäftigen will, wird weiterhin nicht an Bodewig vorbeikommen (zumal die soeben erschienene neue, von Hubertus Seibert herausgegebene, Geschichte der Stadt Lahnstein erst 1806 einsetzt) und dankbar dafür sein, dass die nur im Rahmen von Jahresprogrammen des damaligen Realprogymnasiums Oberlahnstein (heute Marion-Dönhoff-Gymnasium) wenig verbreiteten Beiträge über Lahnstein jetzt leicht verfügbar sind.

In Bezug auf Satz- und Drucktechnik sowie Ausstattung macht das Buch einen ausgesprochenen gediegenen Eindruck. Dazu tragen u. a. der feste Einband bei, das matte Qualitätspapier, die typographische Gestaltung und die gute Wiedergabe der Abbildungen und Tafeln, auch bei notwendiger Verkleinerung. Die Karten im Anhang hätte man sich etwas weniger verkleinert gewünscht; ihr Format ist ein Kompromiss zugunsten des Preises, der mit 48,- DM entsprechend dem Umfang und der Ausstattung als günstig zu bezeichnen ist. Das Werk ist von Hans G. Kuhn sehr sorgfältig bearbeitet und redigiert. Einzelne Detailfehler, wie der genannte im Inhaltsverzeichnis oder zwei unleserliche Wörter (am Ende von S. 64), schmälern diesen Gesamteindruck nicht.

Grundsätzlich gilt für alle derartigen Nachdrucke, dass sie einen früheren Forschungsstand wiedergeben. Manche Beiträge sind nach wie vor von hoher Aktualität, andere sind durch spätere Publikationen mehr oder weniger überholt. Ein kritischer Anmerkungsapparat, der neuere Erkenntnisse und die jüngere Forschungsliteratur ausweist, würde den wissenschaftlichen Wert nachgedruckter Schriften ganz wesentlich erhöhen. Die kritische Bearbeitung einer Werkausgabe erfordert aber eine hohe Sachkompetenz und Kenntnis der neuesten Literatur. Sie wird daher leider in der Regel ein unerfüllter Wunsch bleiben.
Der für das Jahr 2001 projektierte zweite und abschließende Band der Gesamtausgabe wird neben den kleineren Beiträgen auch eine biographische Skizze Bodewigs enthalten. Dazu kommen Abhandlungen über das Lahnsteiner Museum (Bodewig-Museum) und den Altertumsverein, zwei Einrichtungen, die von Bodewig begründet und geleitet wurden.

 
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü