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Val de Loire 2010

Vereinschronik > Reiseberichte

Studienreise ins Welterbe Val de Loire


Montag, 30. August bis Sonntag, 05. September 2010


Nach den Vorträgen und Exkursionen zum Welterbe Oberes Mittelrheintal hatte sich der Altertumsverein mit 40 Personen aufgemacht, ein anderes Welterbe-Flusstal zu erkunden: das Tal der Loire, das heimliche Herz Frankreichs. Seit November 2000 stehen diese 280 km des Loiretals auf der Liste des UNESCO-Welterbes. So war es denn auch keine der üblichen Schlösser-Touren, sondern auch eine Suche nach Strukturen und Problemen, um Vergleiche zum heimatlichen Mittelrheintal ziehen zu können.


Wie am Rhein entstanden auch die Burgen im Loire-Tal als militärische bzw. machtpolitische Demonstrationen, hier vor allem im 14./15. Jh. im Zuge der Auseinandersetzung zwischen England und Frankreich. Allerdings – und hier liegt ein Unterschied zum Oberen Mittelrheintal – sind die Bauten umfunktioniert und damit – wenn auch mit oftmals völlig neuem Gesicht – über die Jahrhunderte hinweg erhalten geblieben. Trotz oder gerade wegen dieser Veränderungen lag das politische und geistig-kulturelle Zentrum Frankreichs über Jahrhunderte hier im Tal der Loire und nicht in Paris.


Anders als in Deutschland befinden sich die meisten der über 300 Loire-Schlösser in Privatbesitz. Angesichts der Unterhaltskosten wird dies für etliche Besitzer heutzutage zunehmend schwieriger. Einige sind mittlerweile in Hotels umgewandelt oder als ‚Ferienhaus’ zu buchen. Fast alle sind zu besichtigen. Die zum Teil erheblichen Eintrittsgelder sind die Basis für die weitere Existenz der Bauten und werden auch – kaum vorstellbar in Deutschland – ohne Murren von den Besuchern gezahlt.



Hier
der
Reisebericht
im
Rhein-Lahn-Kurier:

Los ging es am Salhofplatz in Lahnstein um 07.00 Uhr in der Früh - bei Regenwetter, das sich bis hinein nach Frankreich nicht bessern sollte.

Nach einem Zwischenstopp in Colombey-les-Deux-Églises mit dem Besuch des Charles de Gaulle-Memorials aber klarte der Himmel auf: Die Lahnsteiner Gruppe durfte sich eine Woche lang über „Sonne pur“ freuen, während in der Heimat bei 10 Grad Celsius weniger der Himmel weinte!

 
 

Nach der Übernachtung in Troyes war das nächste Ziel das ‚königliche Orléans’, Stadt der Jeanne d’Arc und Eingangstor zum Tal der Schlösser. Nach einer Stadtführung war das nächste Ziel Chambord, das größte, berühmteste und prächtigste aller Loire-Schlösser, das bereits seit 1981 auf der UNESCO-Liste der Kulturdenkmäler steht. Im 16. Jh. von Franz I. als Jagdschloss erbaut, steht dieser ersten Renaissancebau Frankreichs auch noch heute inmitten eines fast 5.500 ha großen Parks am Platz des Schlosses der Grafen von Blois aus dem 12. Jh.

In Blois verbrachte die Gruppe aus Lahnstein die zweite Nacht. Ein Blick auf die alte steinerne Loire-Brücke nach dem Abendessen vermittelte einen Eindruck von alten Zeiten; hier hatte Jeanne d’Arc 1429 ihre militärische Basis für die Befreiung von Orléans gehabt. Im 16. Jh. residierte hier die berühmte Katharina von Medici.

 
 

Auch in Amboise, Ziel des nächsten Tages, war bereits im 11./12. Jh. eine Brücke über die Loire gebaut worden. Von der hochmittelalterlichen Burg der Grafen von Amboise ist allerdings nur noch ein kleiner Teil erhalten; ab 1490 wurde sie zum Wohnschloss im Renaissancestil umgebaut. Wesentlich beteiligt am Umbau war Leonardo da Vinci, der ab 1517 die letzten drei Jahre seines Lebens hier verbrachte. In der zum Chateau gehörenden Hubertus-Kapelle konnten die Lahnsteiner an seiner letzten Ruhestätte stehen.

 

Nach der Besichtigung des Chateaus hatte die Gruppe ein Gespräch mit dem Geschäftsführer der Stiftung, die das Schloss trägt. Er erklärte sowohl die Finanzierung des Unterhalts der Schlösser als auch die ständig erforderlichen Restaurierungen. Hierzu demonstrierten zwei Facharbeiter, wie neue Tuffsteine ‚auf alt getrimmt’ werden.

Im Anschluss erhielten die Besucher aus Lahnstein im Schloss in einer kleinen Weinprobe mit kleinem Imbiss einen Einblick in den Weinbau in der Tourraine.

 

An der Uferpromenade von Amboise ließ sich die Gruppe vor einer Besonderheit fotografieren: dem Max Ernst-Brunnen. Der wohl bedeutendste Dadaist und Surrealist wurde 1891 in Brühl bei Köln geboren und starb 1976 als französischer Staatsbürger.

Als nächstes stand Schloss Chenonceau auf dem Programm, das wegen seiner prominenten Besitzerinnen – u.a. Diane de Poitiers, der Maitresse Heinrichs II., dessen Witwe Katharina von Medici und Anna Henrietta von Pfalz-Simmern (!) – ‚Château des Dames’ (Schloss der Damen) genannt wird. Hier bestand 1940-42 eine historische Kuriosität: Die Grenze zwischen Vichy-Frankreich und dem von deutschen Truppen besetzten Teil des Landes verlief entlang des Cher, ergo quer durch die Galerie. Der Haupteingang lag auf besetztem Gebiet, der Südausgang der Galerie im freien Teil. Die Galerie war dadurch ein häufig genutzter Fluchtweg.


 
 

Im kunstvoll angelegten Garten von Schloss Cheverny konnten sich die Lahnsteiner Altertumsfreunde erholen, ehe es am nächsten Tag nach Tours, der Stadt des hl. Martin, ging. Nach der Besichtigung der Basilika Saint-Martin mit der Grablege des hl. Martin wartete das Programm mit einer Besonderheit auf: ein Mittagessen bei den Schwestern der Basilique St. Martin.

Der Nachmittag galt Schloss Villandry, das wegen seines einzigartigen Renaissancegartens berühmt ist. Eigentümer M. Cavallo gab der Gruppe einen Einblick in die private Finanzierung des Schlosses. Ein ausgiebiger Rundgang durch die herrlichen Gärten beendete den Tag.


 
 

In Saumur bekamen die Gäste aus Lahnstein eine Anregung für den Bau der Mittelrheinbrücke: Beide Brücke im Stadtgebiet sind über die gesamte Länge mit Blumenkästen geschmückt! Übrigens ist augenfällig, wie es die Bürger der Orte an der Loire ganz selbstverständlich übernehmen, die Straßenränder mit Blumenkübeln zu schmücken. (Auch eine Anregung für den Mittelrhein!)

Von Saumur ging es zur Abtei Fontevraud, dem größten Klosterkomplex Europas. Hier hatte schon vor 900 Jahren etwas Unglaubliches existiert: die absolute Herrschaft von Frauen über Männer in einer königlichen Abtei. In dem 1101 von Robert d’Arbrissel gegründeten Doppelkloster stand stets eine Äbtissin an der Spitze. Nachdem die Abtei Jahrhunderte lang geblüht hatte, fiel sie der Säkularisation zum Opfer und wurde von Napoleon zum Gefängnis umgewandelt. Das blieb sie bis 1963 (!). Seitdem ist die Anlage stilecht restauriert worden. Ausgerüstet mit Audio-Guides konnten die deutschen Gäste alle Baulichkeiten und den Klostergarten besichtigen. Dabei fielen vor allem die vier Grablegen des Hauses Anjou bzw. Plantagenet ins Auge: Eleonore von Aquitanien, ihr Mann Heinrich II. von England, ihr Sohn Richard Löwenherz und Isabella von Angoulême, der Ehefrau ihres Sohnes Johann Ohneland.


 
 

Nach diesem geistigen Genuss ging es nach Montsoreau. Hier stieg die Gruppe eine der vielen Tuffsteinhöhlen, die im Mittelalter beim Abbau der Steine für den Bau der Burgen und Schlösser in die Hänge entstanden ist. Seit über 100 Jahren werden in diesen Höhlen Champignons gezüchtet. Eine dort lebende Deutsche erklärte in der kühlen Höhle die Geschichte der Pilzzucht und die heutigen Besonderheiten.

Bevor die Reiseroute wieder ostwärts schwenkte, ging es noch nach Angers. Im dortigen Chateau zogen die Lahnsteiner Besucher aus der Tageshitze in einen vollklimatisierten Raum zu einem einmaligen Kunstwerk: dem im 14. Jh. entstandenen ‚Wandteppich der Apokalypse’. Von ursprünglich 84 einzelnen Szenen auf 6 m hohen und bis zu 24 m langen Teppichen (insgesamt 700 m) sind nur noch zwei Drittel vorhanden. Der Rest musste in den Revolutionsjahren als Decken, Bettvorleger oder Abdeckplanen dienen.


 
 

Weiter ging es in Richtung Heimat zum vorletzten Zwischen Stopp in Chartres. Die 1260 geweihte Kathedrale Notre-Dame de Chartres, die älteste hochgotische und eine der größten Kathedralen der Welt, steht seit 1979 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. Sie ist noch heute Ziel vieler Pilger zur Reliquie ‚Tunica Sancta’, dem Hemd Mariens. Die Gruppe erlebte eine hervorragende Führung.

Am letzten Reisetag wurde Station in Reims gemacht, der  Stadt, in der Ende des 5. Jh. Kaiser der merowingische König Chlodwig vom hl. Remigius getauft wurde. Die gotische Kathedrale von Reims ist eine der schönsten in Frankreich, die 1991 in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde. Einmalig schön sind vor allem die Glasfenster, darunter auch moderne von Marc Chagall, und die reich verzierten Fassaden.


 

Mit seinem Dank an den hervorragenden Reiseleiter Udo Galetzki (Düsseldorf), an die Gruppe für ihr positives Miteinander und an Petrus, die alle die Reisewoche insgesamt zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben, und dem Verweis auf die Reise ins Welterbe Wachau in 2012 beendete Vorsitzender Hans G. Kuhn in Lahnstein die Reise.

 
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