Vorwort I-K - Kuhn Seite

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Vorwort I-K

Bodewig-Edition > Band I


Vorwort des Herausgebers

"Ein Leben für die Vor- und Frühgeschichte seiner Wahlheimat" - auch so könnte der Titel der vorliegenden Edition lauten.

Dr. phil. Robert Bodewig kam 1890 mit 33 Jahren als Gymnasiallehrer nach Oberlahnstein, und noch einmal 33 Jahre sollten ihm bleiben, bis ihn - drei Tage nach seinem 66. Geburtstag - nach kurzer Krankheit völlig unerwartet der Tod ereilte. Sein Lebenswerk schuf der im Bergischen Land Geborene in der Fremde, die ihm zur zweiten Heimat wurde: Er sah die Spuren der Geschichte seiner neuen Heimat vor bzw. unter seinen Füßen, erkannte, was getan werden mußte - und tat es.

Warum sich keiner der Ortsansässigen intensiv der Vorgeschichte des heimatlichen Raumes widmete, wird wohl immer ein Rätsel bleiben; vielleicht kommt Dr. Fritz Michel, der Verfasser der Stadtgeschichten von Nieder- und Oberlahnstein, dessen Lösung am nächsten mit der Feststellung in seinem Kapitel über Kunst und Literatur in der Stadtgeschichte Oberlahnsteins: "In der aus Bauern bestehenden Bevölkerung, die in sehr harter Arbeit ihr Brot verdiente, konnte der Gedanke an eine eigene künstlerische Tätigkeit wohl auch kaum aufkommen." Was denn für die Künste so gegolten haben mag, wird auf die Wissenschaften wohl gleichermaßen zugetroffen haben.

In diesem Zusammenhang beweist sich die Weitsicht von Bürgermeister Reusch, der 1873 - im Blick auf die städtischen Finanzen eigentlich wider jede Vernunft - die Übernahme der privaten Höheren Bürgerschule des Geistlichen Antonius Abt in städtische Regie durchsetzte. Von da ab kamen akademisch gebildete Lehrer in die Stadt, die über den kommunalen Horizont hinausblicken konnten. Außer Robert Bodewig traten seine Kollegen Zülch, Diefenbach und Caspari mit wissenschaftlichen Arbeiten an die Öffentlichkeit, zur Geschichte die beiden ersteren, zur heimischen Flora der dritte.

Im Blick auf diese wissenschaftspublizistische Tradition wird auch das 125-jährige Jubiläum des Lahnsteiner Gymnasiums im Herbst 1998 zum Anlaß genommen, den ersten Band zu präsentieren. Möge den Damen und Herren Unterrichtenden dieser Schule deutlich werden, daß akademische Bildung und Heimatgeschichte keine sich gegenseitig ausschließenden Felder sind. Mögen außerdem die Verantwortlichen sich dem Vorschlag zuneigen, dem Lahnsteiner Gymnasium den Namen seines ehemaligen qualifizierten, engagierten und in seiner Zeit hochgeehrten Lehrers zu geben.

Robert Bodewig war unermüdlich an den Wochenenden und in den Ferien in der näheren und weiteren Umgebung unterwegs - zu Fuß, wie es in der damaligen Zeit die Regel war: Er schaute, beurteilte, grub, sammelte, kartierte, skizzierte, katalogisierte, inventarisierte, beschrieb, beriet, hielt Vorträge und baute letztendlich in Oberlahnstein "sein" Museum.

Ohne Helfer allerdings kam er dabei nicht aus. Da ist vor allem der Maler Franz Molitor zu nennen, der Bodewigs grobe Skizzen für seine Publikationen ins Reine zeichnete und später auch die Räume des Museums künstlerisch ausgestaltete.

Auch ohne Sponsoren wäre Bodewigs Arbeit sicherlich nicht zu der letztendlichen Blüte gelangt. In erster Linie sind zu nennen die Lahnsteiner Kaufleute und Industriellen A. Habbel, Anton Lessing, C. S. Schmidt, Julius Schroeder, Theodor Stadelmann und Carl Varena. Als zu Wohlstand und Selbstbewußtsein gekommene Bildungsbürger schlüpften sie in die vom Adel nicht mehr ausgefüllte Rolle der Mäzene. Ohne ihre großzügigen Spenden hätte Bodewig seine Forschungen nicht durchführen und schon gar nicht den Bau des Museums realisieren können.

Sein Schulleiter Dr. Simon Widmann und Bürgermeister Chistian Eduard Reusch förderten ihn ideell, wo immer sie konnten; beide waren als geschichtlich Interessierte auch aktive Mitglieder im Wiesbadener Verein für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, ersterer vor seiner Zeit als Leiter des Oberlahnsteiner Realprogymnasiums sogar dessen Sekretär. Ihre Förderung geschah sicherlich nicht ganz uneigennützig: Der Schulleiter konnte das Ansehen seiner Schule mit einem derart renommierten Kollegen steigern, der Bürgermeister das seiner Stadt, die denn auch nicht nur in der Provinz zu bestem Leumund gelangte; sogar in reichsweiten Fachpublikationen wie der Westdeutschen Zeitschrift für Geschichte und Kunst, dem Archäologischen Anzeiger sowie dem Korrespondenzblatt des Gesammtvereins der deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine fanden Robert Bodewig und Oberlahnstein achtungsvolle Erwähnung.

Nach Bodewigs Tod am 4. Dezember 1923 übernahmen Stadt und Gymnasium expressis verbis am offenen Grab des geachteten und geehrten Historikers und Archäologen sein Erbe. Zwanzig Jahre hielten sie es in Ehren. Nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch fiel es der Konzentration aller Kräfte auf den politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau und dem Trend zum Vergessen und Verdrängen vergangener Zeiten zum Opfer. Der in Konsequenz der Haltung jener Jahre eingetretene Identitätsverlust ist mittlerweile in seinen negativen Auswirkungen auf Individuum und Gesellschaft erkannt; die besten Denker der Gegenwart mahnen immer wieder die Heimatgeschichte an als unerläßlichen Nährboden für jegliches Heimatgefühl. Worte, die jedem Lahnsteiner ins Gewissen treffen müssen: Eine Stadt mit einer reichen Geschichte droht diese zu vergessen. Nicht nur, daß das Museum in seiner ursprünglichen Zweckbestimmung nicht mehr existiert: Von keltischer, römischer und fränkischer Besiedelung des heimatlichen Raumes wissen nur wenige. Dem will der Lahnsteiner Altertumsverein mit dieser Bodewig-Ausgabe gegensteuern.

Gewidmet sei sie Dr. Fritz Nohr (†), der im Jahre 1984 den Altertumsverein von 1880 reanimiert hat.

Robert Bodewig zählte sicherlich nicht zu den wissenschaftlichen Größen seiner Zeit auf dem Gebiet der römisch-germanischen Archäologie. Wie auf ihn waren jene - hier wären vor allem Felix Hettner, Otto von Sarwey und Ernst Frabicius zu nennen - angewiesen auf viele gleichermaßen idealistische wie selbstlose Engagierte - wie z. B. Robert Bodewig. Letzteren deshalb als einen minderqualifizierten "Wasserträger" zu betrachten, wäre allerdings unangemessen: Seine Entdeckungen und deren Interpretationen in seinen Fundberichten fanden höchste Anerkennung bei seinen großen Kollegen. In der Darstellung seines wissenschaftlichen Werks (im 2. Band) wird dies an Beispielen aufgezeigt werden.

Rund 100 Jahre nach der Erstveröffentlichung der in diesem 1. Band wiedergegebenen Werke muß berücksichtigt werden, daß sich die wissenschaftlichen Methoden verfeinert haben. Bodewigs Forschungsergebnisse und seine daraus gezogenen Schlüsse enstsprechen daher nicht mehr in jeder Hinsicht modernsten Erkenntnissen. Dies mindert aber in keiner Weise seine Verdienste, hat er doch die Basis für die weitere Forschung gelegt.

Der Grund für die relativ geringe Zahl seiner Publikationen findet sich leicht: Im Gegensatz zu den wissenschaftlichen Koryphäen seiner Zeit betrieb Bodewig seine Studien nur nebenamtlich in der oben erwähnten Weise; mehr Möglichkeiten ließ ihm sein Lehrerberuf nicht. So werden z. B. seine Forschungsergebnisse als Straßenkommissar der Reichslimeskommission von Otto von Sarwey als Redakteur veröffentlicht; Bodewig selbst hatte für die Endredaktion seiner Notitzen einfach zu wenig Zeit.

In diesem ersten Band finden sich Bodewigs größeren Abhandlungen; im zweiten Band werden zu finden sein seine Biographie, seine kleineren Veröffentlichungen, die Darstellung seines wissenschaftlichen Werks, die Geschichte des Lahnsteiner Altertumsverein 1880 und die des Lahnsteiner Museums, beide untrennbar mit dem Namen Bodewigs verbunden; letzteres wurde im Jahr 1929 sogar in ehrendem Angedenken nach ihm benannt.


Dank . . .
. . . sei all denen gesagt, die mir in irgendeiner Weise behilflich waren und - zum Teil auch tätigen - Rat spendeten. Stellvertretend seien hier genannt Ekkehard Langner und Gottfried Pahl von der Rheinischen Landesbibliothek Koblenz, Willi Eisenbarth, der Betreuer des Lahnsteiner Stadtarchivs, Dr. Hans-Jürgen Sarholz vom Stadtarchiv Bad Ems, Frau Holdorf und Frau Kappes in der Bibliothek der Deutschen Burgenvereinigung auf der Marksburg in Braubach, Michael Koelges vom Stadtarchiv Koblenz und - nicht zuletzt - meiner lieben Frau Ursula für ihre verständnisvolle Nachsicht während der monatelangen Arbeit am Schreibtisch und an Scanner und Computer.

Ein nicht zu bemessender Dank gebührt meinem Freund und Vereinskollegen Rudolf Kring für seine engagierte Unterstützung in Layout- und Druckangelegenheiten. Eigentlich müßte er als Mitherausgeber dieses Bandes firmieren. Erst mit seiner Hilfe wurde diese Edition in einem optimalen Preis-Leistungsverhältnis möglich.

Dank auch dem Satz-Studio Martin Kring, der Druckerei und dem Buchbinder für ihre Arbeit, die in ihrer Qualität die Akzeptanz dieser Edition fördert!

Der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts Berlin in Frankfurt a. M. sowie dem Verein für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung Wiesbaden sei gedankt für die Genehmigung der Übernahme der Arbeiten Bodewigs aus dem Sammelwerk Der Obergermanisch-rätische Limes des Römerreiches bzw. den Nassauischen Annalen. Das Gymnasium Lahnstein gab gern seine Zustimmung zur Wiedergabe der drei Jahresschriften.

Nicht zuletzt gilt der Dank des Herausgebers der Stiftung "Initiative und Leistung" der Nassauischen Sparkasse Wiesbaden, die diese Publikation über einen Wissenschaftler aus ihrem historischen und auch gegenwärtigen Geschäftsbereich ermöglicht hat.

Lahnstein, im Herbst 1998

Hans G. Kuhn



Editoriale Fußnote:

Bodewigs Werke wurden via Flachbettscanner und OCR in ein Textverarbeitungsprogramm übernommen und für den Computer-Satz vorbereitet; bei einigen Werken war Scannen wegen der mangelhaften Qualität der Vorlage und/oder auch der antiquierten Drucktypen nicht möglich; hier half dann nur Abschreiben. In jedem Fall aber sind Orthographie, Interpunktion und Abbreviation original übernommen, auch, wenn sie nicht heutigen Regeln entsprechen bzw. nicht immer durchgängig identisch sind. Bei der kritischen Würdigung der zum Teil widersprüchlichen Orthographie ist zu berücksichtigen, daß sich diese innerhalb der 22 Jahre, während der Bodewig publizierte, ständig weiterentwickelt hat. (Hier sind vor allem die Schreibweisen mit ß - ss sowie mit t - th zu nennen.) Nur bei offensichtlichen orthographischen Fehlern und bei der Kennzeichnung der Gliederungsabschnitte wurde an sehr wenigen Stellen und dann auch nur sehr restriktiv korrigierend eingegriffen.

Die meisten Abbildungen wurden vom professionellen Satz-Studio eingescannt; der relativ einfache Scanner des Amateurs konnte diese Aufgabe nicht zufriedenstellend meistern.


 
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü