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Vorwort I-W

Bodewig-Edition > Band I


Vorwort zu Band I

Dr. Hans Helmut Wegner
Leiter der Archäologischen Denkmalpflege - Amt Koblenz


Seit der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts ist nahezu in ganz Europa eine Besinnung auf die jeweils eigene Geschichte zu beobachten.

In fast allen Staaten Europas geschah dies mit unterschiedlicher Intensität und verschiedenen Intentionen. Heute noch ist diese geistesgeschichtlich interessante und bedeutende Epoche nachzuvollziehen und historisch nachweisbar an den Gründungsdaten der verschiedenen Geschichts- und Altertumsvereine und Gesellschaften, die häufig als Zielrichtung in ihrer Satzung die Erforschung der „vaterländischen und heimischen Geschichte“ oder sich ähnliche Aufgaben vorgenommen hatten. Hierzu gehörte vorrangig die Erkundung und Pflege der regionalen, historischen Bestandteile, insbesondere auch solcher aus der Zeit, aus der schriftliche Überlieferungen noch nicht vorlagen. Dabei nahmen einen wesentlichen Bereich die vorgeschichtlichen und römischen Denkmäler der Region und die überregionalen prähistorischen Zusammenhänge ein. So war Robert Bodewig durchaus auch als „Kind seiner Zeit“ in diese „historische Aufbruchsstimmung“ des vorigen Jahrhunderts hineingeboren.

Gerade Prof. Bodewig ist ein typisches Beispiel für die Fortführung und weitere Initiative in diesen regionalen Zusammenschlüssen, die auch in Lahnstein bestanden, und die er reaktivierte. Nach Durchlauf eines humanistischen Gymnasiums hatte er ein klassisch-philologisches Studium hinter sich gebracht. Aus der Beschäftigung mit der antiken Kunstgeschichte und der lateinischen und griechischen Literatur antiker Autoren und Historiker lag es nahe, die geschichtlichen Zusammenhänge auch in der Landschaft seiner Wahlheimat zu erforschen, aus der solche ausführlichen, schriftlichen Darlegungen aus dieser Zeit nicht vorlagen. So hat Bodewig folgerichtig während seiner Berufstätigkeit als Gymnasiallehrer in Lahnstein diesen Fachbereich und die Forschungsrichtung der prähistorischen und archäologischen Denkmäler bewußt vor Ort betrieben. Durch sein tatkräftiges Wirken sowohl im Gelände - er war zum Streckenkommissar der Reichs-Limes-Kommission ernannt worden - als auch in Form der zahlreichen Veröffentlichungen seiner Forschungsergebnisse in allgemein zugänglichen Publikationen, wie z. B. „Nassauische Annalen“ und „Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst“, oder auch in der heute noch als Standardwerk geltenden Veröffentlichung zum „Obergermanischen-Rätischen Limes“, hat Bodewig in unserer Region an Mittelrhein und Mosel ein gutes Stück archäologische Grundlagenforschung betrieben.

Noch heute gehen Bestandsaufnahmen und wichtige Dokumentationen zu Gelände- und Bauälern nicht nur im rechtsrheinischen Bereich, sondern auch die Erforschung der prähistorischen und römischen Denkmäler im Stadtwald von Koblenz und angrenzenden Gebieten auf die tatkräftige und gewissenhafte Forschungsarbeit von Robert Bodewig zurück.

Gerade in einer Zeit, in der Veränderungen der Landschaftsoberfläche in so rasantem Maße vorangetrieben werden wie heute und die Zerstörung der archäologischen Denkmäler erschreckend fortschreitet, gewinnen die Beobachtungen von fachwissenschaftlich kompetenten Regionalarchäologen der früheren Zeit besonders an Bedeutung. Auch wenn über manche Thesen Bodewigs die Forschung inzwischen hinweggegangen ist, werden dennoch viele seiner Erkenntnisse, aber auf jeden Fall seine präzisen Dokumentationen und exakten Wiedergaben der archäologischen Befunde in seinen Publikationen und Aufzeichnungen weiterhin als wichtige Grundlage und Teil auch zukünftiger archäologischer Forschungen unserer Region Bestand haben.

 
 
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